332
Geschichte der Juden.
fügte. Jakob Jbu-G'au wurde von Hischam sogar wieder in seineWürde eingesetzt (um 987), wahrscheinlich während Almausur's Ab-wesenheit im Kriege — aber da dieser nicht für ihn war, so hatteseine Stellung keine Bedeutung. Mehrere Jahre fungirte Jbu-G'auin seiner oberrichterlichen Eigenschaft (bis um 900), während welcherZeit R' Chanoch abgesetzt blieb. Als Jbn-G'au starb, beeilte sicheiner von R' Chanoch's Verwandten, ihm die Nachricht zu überbringenund gedachte ihm damit eine große Freude zu bereiten. Aber dieseredle Rabbiner weinte bitterlich über den Tod seines Feindes undklagte: „Wer soll jetzt für die zahlreichen Armen Sorge tragen, welcheder Verblichene so reichlich verpflegt hat?. Ich vermag ihn nicht zuersetzen, denn ich bin arm." R' Chanoch wurde wieder in sein Amteingesetzt. Jbn-Abitnr hatte indeß seine Wanderungen fortgesetzt undwar nach Pumbadita gekommen, wo R' Hai als Gaon fungirte (umlOOO). Er dachte von den Vertretern der babylonischen Akademiefreundlich ausgenommen zu werden, weil er voraussetzte, daß R' Hatgegen R' Chanoch feindlich gesinnt sei, indem die Gründung derTalmudschule in Cordova durch R' Mose und seinen Sohn das Lehr-haus um die Einkünfte von den reichen und freigebigen spanischen Ge-meinden gebracht und ihre Verkümmerung veranlaßt hat. Allein Jbn-Abitur hatte sich in der Voraussetzung getäuscht. — R' Hat, erhabenüber solche eigennützige Gesinnung, ließ ihm bedeuten, ihn nicht zubesuchen, da er wegen des auf ihm lastenden Bannes nicht mit ihmverkehren dürfe. Auch hier abgewiesen, begab sich Jbn-Abitur nachDamaskus, wo er sein Leben beendete'). R' Chanoch überlebte seinenGegner um mehrere Jahre und erlebte den ersten Verfall Cordovasund die erste allgemeine Verfolgung seiner Glaubensbrüder in Deutsch-land, Afrika und dem Orient. Er starb durch einen Einsturz derEmporbühue (Almemar) der Synagoge, die er am Schlußtage desLaubhüttenfestes bestiegen hatte (September 1014^).
Im Zustande der Juden in Frankreich und Deutschland in dieserZeit zeigt sich so recht, wie sehr ihre geistige Erhebung von deräußeren Stellung bedingt ist. Während des schlaffen Regiments derletzten Karolinger und auch noch unter den ersten Capetingern inFrankreich, als die weltlichen und geistlichen Vasallen mächtiger warenals das Königthum, und unter den sächsischen Kaisern war die poli-tische Lage der Juden gedrückt und ihre wissenschaftliche Thätigkeitgleich Null. Zu Aemtern waren sie durch kanonische Gesetze längst
') Das.-) Das.