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5 (1895) Geschichte der Juden vom Abschluß des Talmuds (500) bis zum Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027)
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Geschichte der Juden.

Während die Mischnah jede theosophische Untersuchung verpönt unddenjenigen verdammt, der auf,die Ehre seines Schöpfers keine Rück-sicht nimmt, werden in der mystischen Composition (Schiur Komah o.S. 193), im Namen R' Jsmael's Gott menschliche Glieder in riesigenVerhältnissen beigelegt. Die Fezaner fragten daher bei Scherira an,ob er diese Gott verkörpernde Schrift für echt halte. Darauf er-widerte er, daß sie allerdings R' Jsmael zum Urheber haben müsse,weil sich kein Mensch so etwas ausdenken könne. Nur seien die derGottheit zugeschriebenen menschlichen Organe nicht buchstäblich zu nehmen,sondern es lägen der Darstellung tiefe Geheimnisse zu Grunde, dieman nicht Jedermann mittheilen dürfe, nicht einmal im Allgemeinen,geschweige denn in Ausführlichkeit. Nur denjenigen, an deren Gesichts-zügen und Handlinien zu erkennen ist. daß sie würdig sind, Inhaberder Geheimlehre zu werden, dürfe man sie überliefern. Damit ent-schuldigt sich Scherira, daß er nicht auf die Frage näher cingehenkönnte i).

Berühmt hat sich Scherira durch sein Sendschreiben gemacht,welches die Hauptqnelle für die talmudische, nachtalmudische und gao-näische Geschichte geworden ist. Jakob b. Nissim (Jbn - Schahin ^),ein Jünger jenes nach Afrika verschlagenen Chuschiel (S. 228), derdie talmudische Gelehrsamkeit in Kairuan Pflegte, hatte im Namender kairnanischen Gemeinde eine Anfrage geschichtlichen Interesses anScherira gerichtet: Auf welche Weise sind die in der Mischnah ent-haltenen Gesetzesbestimmungen niedergeschrieben worden? Wie kommtes, wenn die Traditionen uralt sein sollen, daß nur jüngere Autori-täten aus der Zeit nach der Tempelzerstörung als Träger derselbennamhaft gemacht werden? Welche Ordnung befolgte die Redaktionder Mischnah? Jakob fragte auch über die Reihenfolge der Saburäerund der Gaoneu und über die Funktionsdauer eines jeden derselben.Scherira hatte diese im Hintergründe versteckte Frage unbeantwortetgelassen, konnte sie auch gar nicht beantworten. Aber auf die offeneFrage über die Reihenfolge der talmudischen, nachtalmudischen undgaonäischen Autoritäten gab er eine lichtvolle Antwort (987). Ineinem gemischten halb hebräischen, halb chaldäischen Style gab er

r) Dieses Scherira'sche Nsspousura findet sich in Nssx. LoliaarsNsssbubaliblo. 122. S. Sachs hat es neuerdings aus einer corruinpirten Handschrift ab-gedruckt (Dsslrifs. S. 41) und richtig nachgewiesen, daß es an die Gemeindevon Fez gerichtet war (das. S. 44 f.)

2) Abraham Jbn-Daud nennt die Familie des Jakob b, Nissim mit demNamen Jbn-Schahin oder Schahun, vergl. Rapoport Biographie des R' NissimNote 2 und 6. Die Pariser und die äs Rossi'sche Handschrift nennen sieBen-Joschijah, im Eingangs zu Scherira's historischem Rsspousura.