Scherira.
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von Vater- und Mutterseite aus angesehenen Familien, von denenmehrere Glieder mit der Gaonenwürde bekleidet waren. Er rühmtesich selbst, daß sein Stammbaum bis auf die vor-bostanai'sche Exil-archenlinie hinaufreichte, deren Glieder wegen Entartung der Exils-fürsten diese Würde verlassen hätten und in den Gelehrtenstand getretenwären. Das Siegel der Scheriraischen Familie war ein Löwe*),welcher das Wappen und Fahnenbild der judäischen Könige gewesensein soll.
Scherira war ein Gaon von altem Gepräge, dem der Talmud amhöchsten stand und der wissenschaftlichen Ideen durchaus abhold war.Obwohl des Arabischen so weit kundig, daß er die gutachtlichen Ent-scheidungen in dieser Sprache an Gemeinden moslemitischer Länderabfassen konnte, bediente er sich doch lieber des Hebräischen nnd Ara-mäiscben und hatte wenig Sinn für die arabische Literatur. Seineschriftstellerische Thätigkeit beschränkte sich einzig auf den Talmud undwas damit zusammenhing. Scherira verfaßte ein talmudisches Werkunter dem Titel „Geheimrolle" (NkAillat Setariw), das indessenuntergegangen ist2). Die Wissenschaft der Bibelauslegung hat erschwerlich gepflegt. Aber sein sittlicher Ernst machte seinen Mangelan höherer Bildung vergessen. Als Richter lag es ihm am Herzen,die Wahrheit an's Licht zu ziehen und das Urtheil streng auf Rechts-begriffe zu gründen. Als Schulhaupt war er unermüdlich, die Nahenund Fernen zu belehren, und seine gutachtlichen Entscheidungen gehendaher in's Massenhafte. Aber Scherira hielt sich in seinen gutacht-lichen Aeußerungen mit strengster Gewissenhaftigkeit an den Talmudund tadelte einst einen Herrn, daß er seinem jungen Sklaven Unterrichtin der Bibel ertheilen und ihn, als er herangewachsen war, eine gültigeEhe mit einer Sklavin unter Beobachtung der Ceremonie eingehen ließ,weil dieses nach dem Ausspruch einiger talmudischen Lehrer verpöntsei. Obwohl dieser Herr seinen Sklaven so rücksichtsvoll behandelthatte, daß seine Absicht, ihn als Freien anzuerkennen, gar nicht zweifel-haft war, so verdammte Scherira doch Sklaven, deren Frauen undKinder zu dauernder Dienstbarkeit^).
Scherira war auch ein Adept jener Geheimlehre, die zu seinerZeit noch wenig Pfleger hatte. Er sprach seine in Dunkel gehüllteAnsicht über diese Afterweisheit aus in einem Gutachten an einigeGelehrten von Fez, welche ihn um Lösung eines Widerspruches fragten.
*) Abraham Jbn-Daud.
2) ^.busb Einleitung zu Nsuors-t bs.-Ng.or.
°) Lssp. Lobssrs 2sclsb p. 26b., Uo. 28.
Graetz, Geschichte der Juden. V.
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