Zwölftes Kapitel.
Morgenröthe der jüdisch-spanischen Cultur und Verfall des
Gaonats.
Der Gaon Scherira und sein Sohn Hai; Scherira's historisches Sendschreiben;Manasse Jbn-Kazra; die jüdisch-spanischen Gemeinden; die Jünger Mena-hem's und Dunasch's; Jehuda Chajug; Hassan b. Mar-Hassan; der Streitzwischen R' Chanoch und Jbn-Abitur; Jakob Jbn-G'au und sein Geschick.Die Juden Frankreichs; Nathan der Babylonier in Narbonne; R' Leontin;die JudenDeutschlands; Otto II. und Kalonymos; R' Gerschom und seineVerordnungen; R' Simeon aus Mainz; der Proselyt Wecelinus; KaiserHeinrich II. und die Judenverfolgung in Deutschland; der Chalife Hakemund die Judenverfolgung in Egypten und dem Orient; der jüdische ChaganDavid und die Russen; Untergang des jüdisch-chazarischen Staates; dasKaräerthum; Joseph Alkarkassani und Levi Halevi.
970-1027.
Wenn eine geschichtliche Schöpfung dem Untergange geweiht ist,so vermag auch der Kraftaufwand energischer Persönlichkeiten nicht,ihr das Leben zu erhalte», und gelänge es ihnen auch durch opfer-willige Hingebung deren Todesstunde aufznschieben, so führt sie dochnur ein Scheinleben. Sv erging es dem einst lebensvollen und denMittelpunkt bildenden babylonischen Gaonat. Nachdem ihm die gebil-detsten Gemeinden Spaniens und Afrikas ihre Theilnahme entzogen hattenund sich auf eigene Füße stellten, konnte es ihm nimmermehr gelingen,fortznleben. Vergebens strengten sich zwei Männer an, welche durchTugenden und Kenntnisse die pumbaditanische Hochschule nach einanderzierten, ihm neuen Glanz zu verleihen. Sie vermochten nur soviel,den Tod des Gaonats etwas über ein halbes Jahrhundert aufzu-halten; es zu erhalten und lebensfähig zu machen vermochten sie nicht.Diese zwei Männer, Vater und Sohn, die letzten pumbaditanischenSchulhäupter von Bedeutung, waren R'Scherira und R'Hai (Haja),welche die Später» „die Väter und Lehrer Israels" nannten. —Scherira, Sohn des Gaon Chanina (geb. um 930 gest. 1000^), stammte
st Abraham Jbn-Daud's Nachricht, daß Scherira 10b Jahre alt geworden,scheint auf einer Corruptel in seinem Original zu beruhen; denn dann wäre er,wenn geb. 898, zur Zeit seines Amtsantrittes 968, ein Siebziger gewesen; aberein Jahr nach seinem Gaonatsantritt wurde ihm erst sein Sohn Hai geboren.Es ist aber nicht wahrscheinlich, daß er erst im 71 sten Jahre seinen Sohn ge-zeugt hat.