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5 (1895) Geschichte der Juden vom Abschluß des Talmuds (500) bis zum Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027)
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Die neuhebr. Poesie und Dunasch b. Labrat. 309

Sprache zum Gegenstände tiefer Forschung gemacht, sie vielfach bereichertund veredelt, so daß ein späterer Dichter mit Recht sagen konnte:

Unsere Sprache hat etwas Wunderbares,

Sie ist von unendlich prophetischer Kraft;

Knapp ihr Ausdruck und doch sehr weit,

Kurz, und reicht für Gedankenfülle aus'")

Sie haben die Leistungen ihrer Vorgänger, seitdem die hebräischeSprachforschung die Denker beschäftigt hat, namentlich die karäischenGrammatiker und selbst Saadia, weit überflügelt. Dunasch b. Labrathat der heiligen Sprache einen Wohlklang entlockt und einen eben-mäßigen Bau gegeben, wie man ihn gar nicht an ihr ahnte. Erführte zuerst das Versmaß in die hebräische Poesie ein und verliehihr den rechten Gleichklang und die symmetrische Abrundung desStrophenbaues. Dunasch wurde dafür von Saadia getadeltes, alswenn er eine unerhörte Neuerung eingeführt hätte, weil dadurch derhebräischen Sprache Gewalt angethan würde. Auch der Inhalt derneuen hebräischen Poesie wurde durch die jüdisch-andalusischen Dichterein anderer und reicherer. Bisher hatte die Dichtkunst nur einensynagogalen Charakter, sie war immer zerknirscht und büßermäßig undkannte kein frohes Lächeln. Selbst wenn sie sich zum Hymnus »erstieg,legte sie den düstern Ernst nicht ab und war immer schleppend undholprig. Kaliri war bis dahin ihr Muster. In Lehrgedichten undStreitschriften sank sie sogar zur elenden Reimerei herab, wie die Versevon Salmon b. Jerucham, von Abu-Ali Jephet, von den ben-Ascherund Sabbata'i Donnolo bezeugen. Chasdai gab aber den DichternGelegenheit, das Thema zu wechseln. Seine imposante Persönlichkeit,seine hohe Stellung, seine Thaten und fürstliche Freigebigkeit wirktenbegeisternd auf die Dichter, und indem sie ihn aus vollem Herzen mitSchwung und Feuer feierten und verherrlichten, hauchten sie der schein-bar abgestorbenen hebräischen Sprache Verjüngung ein und machtensie fortbildungsfähig und wohllautend. Allerdings haben sich die jüdisch-andalusischen Dichter die Araber zum Muster genommen. Sie leugnenes auch gar nicht,daß Arab der Lehrmeister ward von Eber." AberDunasch und Andere, die seine Kunstform bald nachahmten, folgtennicht sklavisch den arabischen Mustern, zwangen nicht der hebräischenSprache ein ihr unnatürliches Versmaß auf, sondern lauschten ihr dieWohlklänge ab und ergründeten ihre ureigene Natur. Die Verse aus

Charisi Makame 1.") Vergl. Note 2k, I.