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5 (1895) Geschichte der Juden vom Abschluß des Talmuds (500) bis zum Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027)
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Chasdai's Schreiben an die Chazaren. 303

Verzweiflung über das Mißlingen seiner Sendung. Da erboten sichEinige, sein Schreiben über Jerusalem, Nisibis und Berdaa (West-armenien) durch Vermittelung zu besorgen. Als er aber darauf ein-gehen wollte, traf eine Gesandtschaft des sklavonischen Königs Hunuin Cordova ein (953 Z, bei welcher sich zwei Juden befanden, Mar-Saul und Mar-Joseph. Die Juden an der Niederdonau müssenalso damals in gutem Einvernehmen mit den dortigen slavischen Be-wohnern gestanden haben. Die jüdischen Gesandten wußten auch Manchesvon dem Chazarenreich zu erzählen. Ein Jude aus diesem Lande, Mar-Amram, ein Mann von Einsicht und Kenntniß, war, wie sie erzählten,nach Sklavonien gekommen und hatte sich gerühmt, in Ehren bei demChazarenchagan zu stehen und öfter von ihm zur Tafel gezogen wordenzu sein. Chasdal schickte sogleich einen Boten ab, diesen Amram nachSpanien zu berufen; derselbe war aber nicht mehr anzutreffeu. In-dessen erboten sich die jüdisch-sklavonischen Gesandten Chasdai's Schreibenzu besorgen, zunächst an die Juden in Ungarn, welche es weiter überRußland und Bulgarien befördern würden. Das enge Zusammen-halten der Juden machte es ihnen möglich, Verbindungen anzuknüpfen,wie sie damals und später noch dem mächtigsten Staate nicht möglichwaren. Chasdal ließ sich bestimmen, den sklavonischen Gesandten dasSchreiben an den Chazarenkönig zu übergeben. Dieses Schreiben inschöner hebräischer Prosa mit Eingangsversen von Menahem b. Sarukabgefaßt 2) ist eine unschätzbare Urkunde für die Geschichte der Zeitund die Charakterisirung des Mannes. Der Verfasser hat geschicktdurch seine fromme Sehnsucht staatsmännischen Sinn und durch seinedemuthsvolle Haltung Selbstgefühl und Bewußtsein seines Werthesdurchblicken lassen. Sogar eine gewisse selbstgefällige Eitelkeit ist demSendschreiben anzusehen. Nachdem im Eingänge dem schwülstigen Ge-schmacke der Zeit gehuldigt und in den gereimten Versen das Namens-akrostichon verschlungen wurde, fährt Chasdal in schöner Prosa fort:Er fühle sich eigentlich unwürdig, an den König das Wort zu richtenund sei in Verlegenheit, das rechte Wort zu finden. Indessen hoffeer, der König werde Nachsicht mit ihm, dem Genossen derer haben,die im Exil leben, von denen der Glanz der Selbständigkeit schon solange erloschen ist. Denn wegen ihrer Sünde hatten die Juden Spa-niens viel Widerwärtigkeiten erfahren, bis der König von Spanien ihmdie Gunst zugewendet und es ihm vergönnt war, den Trauernden Trostzu bringen. Daun beschrieb Chasdal die geographische Lage Spaniens,

9 Jbn-Adhari vergl. Note 2t.

st Pergl. S. Sachs' Ulsrsra Obsuasck Jahrg. VIII. S. 189.