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5 (1895) Geschichte der Juden vom Abschluß des Talmuds (500) bis zum Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027)
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Geschichte der Juden.

Chasdai selbst theilte die beschränkte Anschauung der Zeit, daß eineReligion und ein Volk, die nicht einen staatlichen Boden, König, Hof,Macht und Unterthanen haben, keine Festigkeit und Lebensfähigkeithätten. Ihn beschäftigte daher die dunkle Kunde von dem Vorhanden-sein eines selbständigen jüdischen Reiches im Lande der Chazaren, dieauch nach Spanien gedrungen war, lebhafter als seine jüdischen Zeit-genossen. Eldad's Erscheinen in Spanien einige Jahrzehnte vorChasda'i's Geburt hatte der unbestimmten Sage einige Glaubwürdig-keit verschafft, aber sie andererseits durch die Uebertreibung, daß dieZehnstämme noch in ungeschwächter Kraft fortbeständen, unwahrscheinlichgemacht. Chasdai unterließ es daher niemals, bei den Gesandtschaftenaus weiter Ferne Erkundigungen über ein jüdisches Reich und einenjüdischen Herrscher anzustellen. Wie ein belebender Sonnenstrahl fieldaher die Nachricht in sein Gemüth, die er von Gesandten aus Chorasan(östlich vom Kaspi-See) vernahm, daß es allerdings einen jüdischenKönig im Chazarenlande gebe, und sein innigster Wunsch war, mitdiesem Könige in Verbindung zu treten. Noch glücklicher machte esihn, als ihm die byzantinischen Gesandten die Nachricht bestätigten undhinzufügten, daß der damals regierende Chagan der Chazaren denjüdischen Namen Joseph führe, daß die Chazaren eine mächtige undkriegerische Nation seien, deren Land nur fünfzehn Tagereisen vonKonstantinopel entfernt sei, und daß sie in Bündniß und Handelsver-kehr mit dem byzantinischen Reiche ständen. Diese Nachricht erhöhtenur seine Sehnsucht, mit dem jüdischen Reiche und dem jüdischen Königin nähere Verbindung zu treten. Er sah sich daher nach einem zu-verlässigen Boten um, der sein Huldigungsschreiben befördern und zu-gleich nähere Auskunft überbringen sollte. Die Bemühung Chasda'i'sum die Botschaft an die Chazaren ist zugleich für die Geschichte interessant.

Zuerst hatte er zu seiner Freude einen Mann Isaak ben Nathangefunden, der erbötig war, die weite und gefahrvolle Reise anzutreten,und Chasdai hatte ihn mit reichen Mitteln, mit Gefolge und Empfehlungs-schreiben an den befreundeten byzantinischen Hof versehen und ihn mitAbdul Rahman's Gesandten nach Konstantinopel reisen lassen. Dergriechische Kaiser nahm den jüdischen Botschafter gut auf, hielt ihn aberwahrscheinlich aus irgend einem räukevollen Hintergedanken, wie es denrechtgläubigen Griechen eigen war, ein halbes Jahr zurück, und ließihn endlich die Rückreise nach Spanien autreten mit einem Schreibenan Chasdai, tvorin er das Gefahrvolle einer Reise in's Chazarenlandauseinandersetzte,zu Lande wegen der Fehden unter den Völkern inden Ländern am Schwarzen Meer, und zu Wasser wegen der Unsicher-heit der Fahrt auf dem Meere". Der jüdische Hofbeamte war in