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Geschichte der Juden.
geben und die lange Reihe jener hochgesinnten und hochgestellten Per-sönlichkeiten eröffnet hat. welche die Beschützung und Förderung desJudenthums zu ihrer Lebensaufgabe gemacht haben. Chasdai wareine völlig moderne Gestalt, dessen Charakter und Haltung ganz ab-wichen von dem Typus der vorangegangenen geschichtlichen Träger.Sein leichtes, geschmeidiges, anmuthiges Wesen ließ weder die Schwer-fälligkeit des Orientalen, noch den düstern Ernst des Juden erkennen;seine Handlungen und Aeußerungen lassen ihn vielmehr als Europäererscheinen und mit ihm erhält die jüdische Geschichte ein — wenn manso sagen darf — europäisches Gepräge.
Chasdai's Jugendgeschichte ist nicht bekannt. Seine Vorfahrenstammten aus JaenZ; sein Vater Isaak, welcher wohl in Cordovawohnte, war wohlhabend, freigebig und ein Mäcen im Kleinen; vonihm lernte sein Sohn die Schätzung der Wissenschaft und die würdigeVerwendung des Reichthums. Chasdai hatte sich auf die Arzneikundeund Sprachwissenschaft verlegt. Die erste eignete er sich jedoch nurtheoretisch an; es wird ihm nur nachgerühmt, daß er eine Art Theriakerfunden hat, den die Araber unter dem Namen Faruk als Universal-mittel betrachteten. Desto mehr Meisterschaft hatte Chasdai Jbn-Schaprut in Sprachkenntniß und in der Diplomatenkunst. Er kanntenicht nur das Hebräische und Arabische so gut, daß er es schriftstellerischbehandelte, sondern — was unter den Christen Spaniens höchstensdie höhere Geistlichkeit verstand — auch das Lateinische. Der ChalifeAbdul-Rahman III., der mit den kleinen christlichen Höfen Nord-Spaniens in diplomatischem Verkehr stand, wurde auf Chasdai's Werthund Brauchbarkeit aufmerksam und ernannte ihn zu seinem Dolmetscherund diplomatischen Vermittler (um 940). Zuerst pflegte Chasdai blosals Gesandtschaftsbeirath den Hauptbotschafter an die christlichen HöfeSpaniens zu begleiten ^). Je tüchtiger er sich aber bewährte und jemehr Dienste er dem Chalifen leistete, um so mehr wurde er von ihmgeschätzt und befördert. Einst errang Chasdai's Diplomatenkunst einengroßen Sieg. Er brachte einen König von Leon (Sancho Ramirez)und eine Königin von Navarra (To da) sammt Geistlichen und Großennach Cordova, um einen dauernden Friedenstraktat mit Abdul-Rahmanabzuschließen. Der Chalife belohnte seine Dienste mit der Belehnungsolcher Aemter, durch welche er zugleich dem Staate noch mehr Diensteleisten konnte. Chasdai wurde in einem gewissen Sinne Minister derauswärtigen Angelegenheiten. Er hatte die Gesandten zu empfangen,
y Mose Jbn-Esra bei Munk, Xotüos sar ^.boul^valicl p. 77 f. Note 2.
2) Jbn-Adhari Citat Note 21, I.