Druckschrift 
5 (1895) Geschichte der Juden vom Abschluß des Talmuds (500) bis zum Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027)
Entstehung
Seite
294
Einzelbild herunterladen
 

294

Geschichte der Juden.

Wasser schreiben oder ins Meer säen. Er forderte aber ihn undDonnolo auf, ihm mit den Büchern des Gesetzes und der Prophetenin seine Zelle zu folgen und so lange darin zu lesen, als Mose aufdem Berge Sinai weilte, dann wollte er zu ihnen von Gottes Wort reden.Ironisch lehnten Donnolo und sein Genosse diesen Vorschlag ab *).Sabbatai Donnolo hat aber so wenig Wirkung hervorgebracht, daßes fast zwei Jahrhunderte bedurfte, ehe eine Persönlichkeit von einigerBedeutung in Italien auftauchen konnte. Von dem niedrigen Bildungs-stande der italienischen Juden und der Bedrückung, die sie erlitten, legtein homiletisches Werk'Zeugniß ab, das einen italienischen (römischen)Verfasser voraussetzt. Dieses Werk mit dem Titel (Tana äi-do bllialistläßt zwar den Propheten Eliah erzählen, ermahnen, predigen, ver-heimlicht aber doch nicht, daß es zur Zeit verfaßt sei, die bereits neunJahrhunderte seit der Tempelzerstörung zählt. Es ist in einem, wennauch fließenden, doch ermüdend schleppenden und geschwätzigen Stylegeschrieben mit künstlicher Nachahmung älterer Agada-Manier, aberohne deren epigrammatische Kernigkeit. Es schwimmt Alles unter ein-ander, Großes und Kleinliches, Erhabenes und Niedriges. Der Ver-fasser ermahnt zwar vielfach im Predigertone zur Demuth, Büßfertig-keit, Redlichkeit in Wort und That, zum Almosenspenden und zu an-dächtigem Beten; aber er kennt kein höheres Ziel, als das Weilen imLehrhause und das Zuhören der Vorträge, wenn man auch nicht vieldavon verstehe. Der Prediger unter Eliah's Verkappung räumt zwarein, daß ein Nichtjude gleich einem Israeliten des göttlichen Geistestheilhaftig werden könne je nach seinen Thaten. Er schärft ein, daßein Jude einen Andersglaubenden nicht einmal mit einer Kleinigkeitbetrügen dürfe,denn er ist als Bruder zu betrachten".Wer einenSolchen bestiehlt, gegen ihn lügnerisch und meineidig verfährt, sein Blutvergießt, wird auch nicht zurückschrecken, an einem Glaubensgenosseneben so zu handeln." Dennoch warnt er, mit Nichtjuden an einerTafel zu speisen und mit ihnen Umgang zu pflegen st, gerade wie dieGeistlichen der französischen Concilien im entgegengesetzten Sinne denChristen eingeschärft haben. Die Schrift des unbekannten Verfassersklagt oft über Zusammenrottungen des Pöbels, um die Habe der Judenzu plündern, und über die Folterqualen, welche ihre Dränger ihnenauflegen, bis ihnen die Seele ausgeht. Sie zeigt daher Schadenfreudeüber die wiederholten Einfälle der Ungarn in West-Europa (von den

st a. a. O.

st Abfassungszeit 968, s. Usviis ä. l2. s. III. S. 121.

st Tana, äi-bs l2lis.Ii radds. a. 8, verglichen mit a. 9, 15 (S. 38 scl.Sadilkow) o. 28, S. 78.