Sabbata'i Donnolo und der Heilige Nilus. 293
machen, um bei astrologischen Meistern sich in dieser Afterwissenschaftzu vervollkommnen, und um genau zu wissen, welche Planeten undSterne einen günstigen und welche einen übelthätigen Einfluß üben.Donnolo gelangte auf diesen Reisen sogar bis Bagdad. Die Resultateseiner Forschungen legte er in einem Werke nieder (946), das ebenfallseinen Commentar zum Schöpfungsbuche bildete (Daolibewoni). VielWeisheit war darin nicht enthalten, nach den vorhandenen Bruchstückenzu urtheilen. Aber der Verfasser schlug es so hoch an, daß er Sorgetrug, daß sein Name „Sabbatai Donnolo aus Oras" auf dieNachwelt übergehe. Zu diesem Zwecke brachte er ihn in Akrostichenvon sehr schlechten Versen und beschwor die Abschreiber seines Buches,den versificirten Anfang ja nicht wegzulassen.
Indessen so gering auch Donnolo's Bedeutung neben seinen Zeit-genossen Saadia und anderen war, so erscheint er doch unendlich über-legen dem Vertreter der katholischen Frömmigkeit in dieser Zeit, seinemLandsmanne Nilus dem Jüngeren, den die Kirche heilig gesprochenhat. Das Verhältniß der beiden Italiener, des jüdischen Arztes undAstrologen und des Abtes von Rossana und Grotta Ferrata,gicbt einen Maßstab für den Stand des Judenthums und des Christen-thums in Italien in der Mitte des zehnten Jahrhunderts. Donnolowar mit Nilus von Jugend auf bekannt; sie waren vielleicht Leidens-genossen bei der Plünderung Unter-Italiens gewesen. Als der jüdischeArzt den christlichen Asketen einst in einem krankhaften Zustande er-blickte, den er sich durch übertriebene Kasteiung zugezogen hatte und vondessen Verkommenheit betroffen war, bot er ihm freundschaftlich und zu-vorkommend ein Heilmittel an, das ihn von der Fallsucht heilen sollte, derer entgegen ging. Der heilige Nilus schlug aber das Anerbieten aus undbemerkte: er wolle von einem Juden keine Medicin nehmen, um ihnnicht den Triumph zu verschaffen, sich rühmen zu können, er habe ihn,den Heiligen, den Wunderthäter, geheilt. Denn das würde die ein-fältigsten Christen verleiten, ihr Vertrauen den Juden zu schenken*).Er verlasse sich mehr auf Gott, denn auf Menschen. Das Judenthumstrebte nach Licht, das mönchische Christenthum nach Dunkelheit. —Ein anderer Jude, der in Donnolo's Gesellschaft einst bei Nilus war,forderte ihn auf, ihm etwas von Gott mitzutheilen; er scheint Lust zueinem Religionsdisput gehabt zu haben. Der Abt von Rossana wollteihm aber nicht Rede stehen und meinte, seine Worte würden doch fürdie verstockten Juden ohne Eindruck Verhallen, und er wollte nicht ins
9 a. a. O. Die Stelle lautet: »ö cWxisaS-A