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5 (1895) Geschichte der Juden vom Abschluß des Talmuds (500) bis zum Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027)
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Geschichte der Juden.

einfachen Bedeutung genommen werden, es sei denn, daß sie entwedereiner sinnlichen Thatsache oder der Vernunft, oder einanderoder endlich der Ueberlieferung widersprechen. Nur in diesen vierFällen ergehe an den Denker die Aufforderung, das Wort oder denVers in einen andern Sinn umzudeuten. Wollte man überall alle-gorische oder metaphorische Umdeutungen zulassen, so würden die Ge-setzesvorschriften, die geschichtlichen Thatsachen, die Wunder, Alles diesesweggedeutelt werden und es würde Bodenlosigkeit entstehen ^). Wiesehr aber auch Saadia's Religiousphilosophie mit Mängeln behaftetist, so war sie doch für die Folgezeit von bedeutender Tragweite.Schon der Umstand, daß ein Gaon und eine talmudische Autorität demDenken, der Vernunft, der philosophischen Weltanschauung Rechnunggetragen, daß er sich bemüht hat, Schrift und Ueberlieferung, Gesetzes-vorschrift und Agada vernunftgemäß aufzufassen, hat dem blindenGlauben einen Stoß versetzt. Mehrere nachfolgende Gaonen und Ver-treter des Judenthums folgten seinem Beispiele, und eine denkgemäßeDeutung der Schrift und der Agada (Rationalismus) wurde iu denbabylonischen Lehrhäusern, in Afrika und Spanien herrschender Ton.ja zuletzt Modesache. Saadia's Wirksamkeit erstreckt, sich durch vieleMittelglieder bis auf die Gegenwart herab. Auch moslemitische Männerdes Wissens studirten sein Werk überGlaubenslehre" und stelltenes sehr hoch ^).

Während Saadia zukunfterleuchtende Gedanken entwickelte, lag ernoch immer im Banne und hatte keinen andern Wirkungskreis als denschriftstellerischen. Die Verhältnisse hatten sich aber inzwischen geändert.Statt des grausamen und geldsüchtigen Chalifen Kahir, der Saadia'sAmtsentsetzung dekretirt hatte, herrschte jetzt der gerechte Alradhi. DerWesir Ali Jbn-Jsa, welcher Saadia günstig gestimmt war, gewannunter ihm wieder Einfluß. Der Gaon Kohen-Zedek, welcher gemein-same Sache mit dem Exilarchen gemacht hatte, war gestorben (936),und sein Nachfolger Zemach b. Kafnal war ein harmloser Mann.So hatte David nur noch Aaron Jbn-Sargadu zum Theilnehmer.Das Volk aber nahm immer mehr Partei für Saadia. Als daherwieder ein bedeutender Prozeß vorfiel, schlug eine Partei den gebanntenund abgesetzten Gaon zum Schiedsrichter vor, die Gegenpartei erwählteden Exilarchen. David war darüber so erzürnt, daß er den Mann,der an Saadia appellirte, mißhandeln ließ. Diese Gewaltthätigkeit

st Das. VIII. I.

st Mohammed Jbn-Jschak im Villrist al-IIlrma bei äs 8s.s^ Olrrssto-ras-bllis arabs a. a. O. vergl. Zeitschrift der deutsch-morgen!. GesellschaftJahrg. 1859, S. 576.