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5 (1895) Geschichte der Juden vom Abschluß des Talmuds (500) bis zum Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027)
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Geschichte der Juden.

Menschen das Ideal heroischer Standhaftigkeit in der Tugend aufzu-stellen. Freilich wird dann der jenseitige Lohn eines solchen Gerechtenum so größer sein. Die Leiden, welche selbst unschuldige Kinder er-dulden, haben auch einen Grund, um ihnen Verdienste zuzuwenden,damit sie einer größern jenseitigen Glückseligkeit theilhaftig werden *).Ungereimt sei es aber anzunehmen, daß Unschuldige Sünden, vorihrer Geburt begangen, eine Art Erbsünde, durch ihre Leiden abzu-büßen hätten 2).

Wenn die jenseitige Welr die rechte Ausgleichung der herbenWidersprüche hienieden bringen soll, so könne der Tod nicht als dasEnde betrachtet werden, sondern bilde blos den Uebergang. Der Todtrennt nur auf einige Zeit die Seele vom Leibe. Die Seele umschwebtnoch einige Zeit lang ihren Leib und empfindet schmerzlich die Trennungvon ihm, wie Jeder von der Zerstörung seines Hauses empfindlichberührt wird. Dieser Schmerz heiße in der Sprache der talmudischenWeisen die Grabesleiden (Obibut ba-Usbsr). Die lauteren Seelender Gerechten erheben sich dann zu einem Orte der Seligkeit, die ge-trübten Seelen dagegen schweben ruhelos im Weltall umher ^). Eineweitere Belohnung für die Gerechten und bußfertigen Sünder soll dieAuferstehung sein. Diese Auferstehung dachte sich Saadia ganz nachtalmndischer Auffassungsweise und mit dem Volksglauben überein-stimmend, daß die durch den Tod den Leibern entführten Seelenwieder mit denselben vereinigt werden würden. Er bemühte sich nurdie Einwendungen zu widerlegen, wie die in die Elementarwelt über-gegangenen Theile des Leibes sich wieder zusammenfinden, vereinigenund zum Behältniß der Seele umgebildet oder wieder hergestellt werdenkönnten. Die Auferstehung hängt nach Saadia mit der Zeit der messi-anischen Erlösung zusammen und folgt ihr nach. Diese gnadenreicheund glückselige Zeit wird auf Erden vor sich gehen. Sie wird dahereinen hieniedigen Charakter haben, wird weder vollkommen, noch ewigsein. Selbst sündhaftes Leben wird in der messianischen Zeit möglichsein, wenn auch in sehr beschränkter Weise, weil die höhere Erkenntuiß,welche sämmtliche Thcilhaber der messianischen Zeit durchdringen wird,Sünden und Vergehungen nicht überhand nehmen lassen werde. Auchder Tod wird in dieser Zeit nicht überwunden sein, nur wird dieLebensdauer eine größere Ausdehnung Habens. -Saadia hat die Ankunft

-) Das. V. 3.

2) Das. VI. 7.

Das. VI. 6.

*) Die Abschnitte VII. und VIII. in Lnannot, fiind ganz diesem Themagewidmet.