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5 (1895) Geschichte der Juden vom Abschluß des Talmuds (500) bis zum Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027)
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Saadia's Religionsphilosophie.

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keil des Judenthums. Weder das Christenthum, noch der Islamhätten Beweiskraft genug, das so unzweideutig geoffenbarte Gesetzaufzuheben. Die Beweise, welche die Bekenner dieser Religionen undjüdische Vernünftler für die zeitliche Geltung des Jndenthums auf-stellen, beruhen, nach Saadia's Ansicht, auf Unkenntniß und falscherAuslegung i).

Durch Beherzigung der Wahrheit und Befolgung der Gesetze,welche das Judenthum lehrt, könne der Mensch diejenige Vollkommen-heit erreichen, welche ihm die Gottheit zugedacht. Ein vollkommenreligiös-sittliches Leben heißt Verdienst oder Tugend (2aobut), derAbfall davon ist Sünde. Durch das gottgefällige Leben wird dieSeele geläutert, und durch die Sünde wird sie befleckt. Freilich dasbeschränkte Menschenauge vermöge nicht zu unterscheiden, wie dieSeele durch eine Handlung vervollkommnet und durch eine andere ihrähnliche getrübt werden könne. Das kommt aber daher, weil uns dasätherische Wesen der Seele, welches Sterne und Engel an Lauterkeitüberstrahlt, unbekannt ist. Dem Schöpfer der Seele dagegen standes zu, die eine Handlung zu gebieten und die andere zu verbieten,oder die eine als Tugend und die andere als Sünde zu stempeln.Wie denn auch ein Münzkenner auf den ersten Blick eine echte Münzevon einer falschen unterscheidet, wie der Arzt die Ursachen der leiblichenStörung erkennt, wie der geübte Physiognomiker<Laiku) aus unmerklichenSpuren einen Menschen vom andern unterscheidet, Dinge, welche demUnkundigen völlig räthselhaft sind. Der Mensch ist vermöge seinerseelischen Anlagen befähigt, den höchsten Grad der Tugend zu erreichen,und ein solcher, der sich zur Höhe emporgeschwungen, würde ein voll-kommen gerechter sein. Es ist Wahnglaube der unwissenden Menge,daß kein Mensch ganz sündenfrei sein könne. Wäre dem so, würdeder seelenkundige Gott ihm nicht ein so hohes Ziel gesteckt haben.Aber ebenso wie es größere und geringere Sünder giebt, so giebt esauch eine Stufenreihe im Verhalten zur Tugend. Die sittliche Welt-ordnung erheischt, daß die Gerechten ewige Glückseligkeit erlangen, dieSünder bestraft werden. Lohn und Strafe werden von der regelndenGerechtigkeit Gottes allerdings auch hienieden ausgetheilt, aber dieharmonische Ausgleichung findet erst in der jenseitigen Welt statt.Wenn Leiden und gehäuftes Unglück auch den allervollkommenstenMenschen treffen, so dürfe diese Erscheinung die Ueberzeugung vonder gerechten göttlichen Waltung nicht irre machen. Es dient dazunicht blos, um die Tugend zu stärken, sondern auch, um für die

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Gr netz, Geschichte der Juden. V. 18