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Geschichte der Juden.
er sich bald aufreibeu. Aber auch unterdrücken soll er die Neigungenkeinesweges, denn der Schöpfer hat sie nicht umsonst in die Seelegepflanzt. Jede von ihnen hat ihren Nutzen für's Ganze. Wenn derPrediger ausruft: „Alles auf Erden ist eitel und windiges Streben",so will er damit keineswegs die menschlichen Triebe sammt und sondersabgetödtet wissen, sondern lediglich vor dem Uebermaß eines einzigenTriebes auf Kosten der Andern warnen. Das Erkenntnißvermögender Seele, die Vernunft, soll die Neigungen überwachen und sie inGrenzen weisen, damit sie nicht zum Schaden ausschlagen. Aber auchäußerliche Ausbildung des Erkenntnißvermögens, das einseitige Strebennach Weisheit, kann zum Nachtheil ausarten. Die Triebe müssen imGleichgewicht gehalten werden, daß keiner von ihnen die Oberhandüber die andern behaupte und den Menschen ausschließlich beherrsche.Saadia zählte dreizehn Leidenschaften auf und wies nach, daß jedederselben, gemäßigt und beschränkt, des Menschen Gedeihen körperlichund geistig fördern, ungezügelt aber, ihn selbst oder die Gesellschaftzu Grunde richten würde. Das Wohlgefallen an Essen und Trinken,an den ehelichen Freuden, das Streben nach Reichthum, nach Nach-kommenschaft, nach Herrschaft, nach Verbesserung der gesellschaftlichenZustände, die Liebe zum Leben, der Drang, die Feinde zu züchtigen,die Sucht nach Ruhe und Absonderung, der Trieb nach Weisheit undErkenntniß, der Hang nach beschaulichem Leben, nach Beten undFasten, haben sämmtlich ihren Werth und Unwerth. Mit Maßgeübt und im Sinne der Offenbarung und Vernunft gebraucht, erzeugensie Gutes für den Einzelnen und die Gesellschaft, im Uebermaß undUebertreibung gepflegt, sind sie von Uebel. Als Muster des mensch-lichen Thuns könnte die Mischung von Farben und Tönen dienen,die, einzeln, dem Gefühl oder Gehör grell erscheinen und einen un-angenehmen Eindruck hinterlassen, harmonisch zusammengesetzt aberFreude und Befriedigung erzeugenZ.
Das Judenthnm, welches ein maßvolles sittliches Leben einschärfe,ist für die Ewigkeit gegeben und kann durch nichts außer Kraft gesetztwerden. Der letzte Prophet Maleachi hat verkündet: „Denket an dieLehre Mose's am Horeb für ganz Israel." Der göttliche Gesetzgeberhat bei mehreren Bestimmungen den Zusatz hinzugefügt, daß sie füralle Folgegeschlechter Gültigkeit haben sollten. Gott hat verkündet,daß der jüdische Stamm nie aufhören werde, solange Himmel undErde bestehen; der jüdische Stamm hat aber ohne den Inhalt seinerLehre keine Bedeutung Aus all' diesem ergebe sich die ewige Gültig-
es Das L. Abschnitt.