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5 (1895) Geschichte der Juden vom Abschluß des Talmuds (500) bis zum Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027)
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Geschichte der Juden.

bedürfniß, aber sie wüßte sich nicht selbst Maß und Verhältniß für'sGebet zu bestimmen. Der menschliche Geist weiß wohl, daß Unkeusch-heit, Diebstahl und Mord Laster sind, die er fliehen müsse; aber erwürde aus eigenen Mitteln die Grenzlinie zwischen Erlaubtem undVerbotenem, d. h. das regelnde Gesetz, nicht finden können. Dazubedurfte es der Offenbarung und Verkündigung von Seiten Gottes,vermittelst seiner Boten und Propheten *).

Die Propheten läßt Gott durch Wunder, die er zu diesem Zweckevorher verkündet, bestätigen und bewahrheiten. Die Wunder sind ge-wissermaßen das Zeugniß, das die Gottheit den Propheten ausstellt,daß sie von ihm abgesandt seien und daß sie sein Wort verkünden.Die göttlichen Gesandten müssen der menschlichen Natur, selbst denmenschlichen Schwächen und Wechselfällen vollständig theilhaftig sein.Hätte Gott Engel oder höhere Wesen zu seinen Gesandten auserkoren,so würden die Menschen, der Engelnatur unkundig, zweifelhaft gebliebensein, ob die vor ihnen gezeigten Wunder von Gott oder von diesenhöhern Wesen ausgingen. Die Propheten durften auch nicht stetsWunder üben, nicht stets die Zukunft schauen, sondern mußten wiederihren Tribut an die menschliche Beschränktheit zollen, damit die Menschenerfahren, daß die Gesandten gleich ihnen zu den sterblichen Wesen ge-hören und die von jenen gebrachte Kunde lediglich von Gott stamme.Die Propheten waren daher durchaus nicht von ihren Mitmenschenunterschieden, weder durch Essen und Trinken und Eheleben, noch durchewige Gesundheit und beständiges Glück, um dem Zweifel keinen Raumzu geben, ob die Prophezeiung wirklich Gottes Wort sei. Die Pro-pheten selbst wurden von der göttlichen Sendung durch ein ihnen ver-ständliches göttliches Zeichen vergewissert: durch eine Wolke, eine Feuer-säule oder eine Lichtschöpfung. Wenn auch solche Zeichen nicht beiallen Propheten ausdrücklich erwähnt werden, so sind sie doch ausSchriftandeutungen bei allen vorauszusetzen ^). Indessen genügtenWunder nicht allein, um die Sendung des Propheten zu beglaubigen,sondern der Inhalt seiner Sendung muß den Stempel des Glaub-würdigen und Göttlichen an sich tragen. Wollte Jemand durch Wunderein unkeusches und unsittliches Leben, als von Gott empfohlen, ein-schärfen, so würde der Inhalt seiner Sendung ihn Lügen strafen. Sowenig Zeugenaussagen je einen Richter bewegen könnten, sich auf eineunmögliche Forderung einzulassen, ebensowenig können Wunder, dieeigentlich nur als Zeugen anzusehen seien, die Verkehrtheit einer Offen-barung glaubwürdig machen ^j.

ft Das. III. und Einleitung x. 3.

ft Das. 3-ö. ft Das. III. 8.