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5 (1895) Geschichte der Juden vom Abschluß des Talmuds (500) bis zum Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027)
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Saadia's Religionsphilosophie.

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Blinden können sich das Sehen vorstellcn und träumen vom Gesichts-sinn. Die Sinne werden vielmehr erst durch die Seele wahrzunehnienertüchtigt. Obwohl die Seele drei verschiedene Vermögen hat: Be-gehrung, Erregbarkeit und Erkenntnis so ist sie doch ein einheitlichesWesen. Ihren Hauptsitz hat sie im Herzen, obwohl sie das ganzemenschliche Wesen erfüllt. Der Körper ist nur ihr Werkzeug, ver-mittelst dessen sie auf die Außenwelt wirkt. Gott habe die Seele mitdem Leibe vereint, um sie für Wonne und Glück zu befähigen. DieseWonne erlangt sie aber nur durch gute Thaten; böses Thun entstelltdie Seele und verdunkelt ihren Glanz. Findet man es unbegreiflich,daß Gott die strahlende Seele in den dunkeln Leib gebannt hat, sobedenke man, daß ohne diese Verbindung beide nicht hätten wirksamsein können, und der Hauptzweck der Schöpfung wäre vereitelt worden.Aber zu verlangen, daß Gott der Seele die Kraft hätte zutheilensollen, auch ohne körperliche Werkzeuge zu wirken, hieße von demFeuer verlangen, daß es kühle, und vom Schnee, daß er brenne. Erstdurch die Verbindung der Seele mit dem Leibe erhält diese ihre Voll-kommenheit, beide bilden zusammen ein einheitliches Wesens. DieserVerbindung von Leib und Seele hat der Schöpfer eine gewisse Dauerzugemessen, die er auch, ohne daß sein Wesen dadurch eine Veränderungerlitte, verkürzen oder verlängern könne

Wenn die Seele vermöge ihres Erkenntnißvermögens sich die Er-habenheit Gottes tief einprägt, so könne es nicht fehlen, daß sie ausfreien Stücken innige Liebe und Verehrung für ihn empfindet, sich nachihrem Schöpfer sehnt, vom Dankgefühl für ihn erfüllt ist, sich als seineDienerin betrachtet, Freud und Leid, die sein erhabener Wille über sieverhängt, für gut findet und in Demuth und Ergebenheit erträgt. Dasder Seele eingeborne Gefühl der Abhängigkeit von Gott ist die Quelleder Religion^). Der Mensch vermöchte also vermöge seiner eigenenNatur sich zur Gotteserkenntniß, zur Religion, zur Ausübung desGuten, d. h. zur Tugend zu erheben, und bedürfte der Offenbarungnicht. Er könnte die Glückseligkeit, die in der Beobachtung der Religionund Sittlichkeit liegt, ohne Anregung von Seiten der Gottheit erwerben.Allein der Weg der Erkenntniß ist weitläufig und mühsam, und selbstwenn der Mensch durch Beseitigung vielfacher Hindernisse und Wider-wärtigkeiten dazu gelangte, würde er doch nicht das rechte Maß finden,wie die Religion und die Tugend geübt werden sollen. Die mensch-liche Seele empfindet wohl vermöge ihres Zuges zu Gott ein Andachts-

>) Das. VI. 1-4.

2 ) Das. VI. 5. °) Das. II. 10.