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Geschichte der Juden.
dagegen müssen von der Gottheit ferngehalten werden, weil sie derenVollkommenheit und Erhabenheit beeinträchtigen. Man dürfe nichteinmal von Gott aussagen, er sei thätig; denn Thätigkeit beziehesich auf ein Etwas und werde davon bestimmt. Wenn aber dieheiligen Schriften Gott Eigenschaften beilegen, daß er barmherzig sei,etwas wolle, zürne, bereue: so sei dieses Alles nur als Metapher zubetrachten, um für Menschen in menschlicher Redeweise zu sprechen.Die Verkündigung Gottes an die Propheten sei nicht als eine Ver-änderung in der Gottheit zu betrachten, sondern es sei eine augen-blickliche Lichtschöpfung entstanden, welche den Propheten in mannig-faltiger Gestaltung sichtbar geworden sei und zu ihnen gesprochenhabe^). Die Annahme einer plötzlichen Lichtbildung auf Gottes Ge-heiß ist ein Grundzug der saadianischen Anschauung, die sich durchseine exegetischen, polemischen und religionsphilosophischen Schriftenhindurchzieht. Saadia glaubte dadurch die sinnliche WahrnehmbarkeitGottes beseitigt und doch die Prophetie als eine in die Sinne fallendeThatsache gerettet zu haben.
Den Mittelpunkt des von Gott geschaffenen Weltganzen bildet,nach Saadia's Ansicht, die Erde, da die Himmelskörper sie als Dienerumkreisen und sie deren Mitte einnimmt. Das Edelste und Vor-züglichste sei nämlich immer das Innere und die Mitte, wie die Fruchtan der Pflanze, der Kern in der Frucht, das Dotter im Ei, das Herzim Menschen. Da nun das vorzüglichste Wesen auf Erden der
Mensch ist, so müsse man folgern, der Mensch sei das vorzüglichsteWesen und der Endzweck der ganzen Schöpfung fl. Der Mensch seiauch vorzüglicher als die Himmelskörper (die sich Saadia, wie diealte Welt überhaupi, als beseelte, ätherische Wesen dachte); er sei sogarvorzüglicher als die Engels. Obwohl in einen befleckten undzerbrechlichen Leib eingeschlossen, reicht des Menschen Geistesblick überErde und Himmel hinaus. Ter Mensch ist der Herr der Schöpfung,er unterwirft sich die Thierwelt, er macht kunstreiche Erfindungen.In der Erkeuntniß liegt des Menschen Größe und darin besteht seinVorzug vor allen andern Wesen. Saadia betonte auch die menschlicheWillensfreiheit auf das Bestimmteste.
Die Erkeuntmß hat die Seele aus sich selbst, und sie wird ihrnicht erst durch die Sinneswahrnehmung zugeführt; denn auch die
fl Das. II. 7 — 8.
fl Das. IV. Einleitung und VI. 3.
fl Diese 'Ansicht Saadia's findet sich nicht in seinen vorhandenen Schriften,wird aber von Jbn-Esra citirt in dessen Commentar zu Genesis 1 und anandern Stellen.