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5 (1895) Geschichte der Juden vom Abschluß des Talmuds (500) bis zum Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027)
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Saadia's Religionsphilosophie.

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Egypten gegen ihn eine Widerlegungsschrift verfaßt. In seiner Religions-philosophie nahm er besonders Rücksicht auf diese offenbarungsfeindlicheRichtung und suchte ihre Unhaltbarkeit aufzudecken, wie er auch dieEinwürfe des Christenthums und des Islam gegen das Judenthumnicht außer Acht ließ*).

Das saadianische System der jüdischen Religionsphilosophie nimmtseinen Ausgangspunkt in mutazilitischer Weise von der Er-schaffenheit des Weltalls, daß es nicht von Ewigkeit her vorhandenwar, was weitläufig bewiesen wird aus der Uebereinstimmung derdialektischen Schlußfolgerung mit dem Schriftworte. Ist das Weltallräumlich und zeitlich begrenzt, so folge daraus, daß es sich nicht selbsthervorgebracht hat, sondern nothwendig einen Schöpfer voraussetzt.Von diesem Punkte aus entwickelte Saadia die Grundwahrheit desJudenthums von der Schöpfung aus Nichts, und widerlegte den aufsinnlicher Wahrnehmung beruhenden Satz: aus Nichts wird Nichts.Allerdings falle es dem menschlichen Denken schwer, sich eine Schöpfungaus Nichts vorzustellen, aber da eine fehlerlose Schlußfolgerung dazunöthige, und das Gegentheil eben so schwer zu denken sei, müsse mansich dabei beruhigen. Man dürfe nicht nach dem Endzwecke der Welt-schöpfung frage»; denn der Zweckbegriff finde bei Gott keine Anwendung.Man könne aber auch annehmen, Gott habe das All geschaffen, umdurch die Welt seine Weisheit kund zu geben und das Glück der Ge-schöpfe zu fördern 2).

Hat die philosophische Betrachtung Gott als Weltschöpfer erkannt,so muß sie ihn auch als eine Einheit denken. Denn die Vielzahlin der Gottheit sei das Allerungereimteste, gegen das sich der einfacheMenschenverstand sträube. Mit dem Begriffe Weltschöpfer seien aberzugleich drei Eigenschaften Gottes gesetzt. Man könne ihn nichtanders als seiend (lebend, wirklich), als weise und als mächtigdenken. Diese drei Attribute Gottes: Dasein, W eish e it und Machtmachen eigentlich nur einen einzigen Begriff aus. Das menschlicheDenken sei aber zu beschränkt und die menschliche Sprache zu dürftig,um diesen Begriff ist einen einzigen Gedanken zu fassen, mit einemeinzigen Worte zu bezeichnen, und sie seien daher genöthigt, ihn indrei zu spalten. Mit der Annahme dieser drei Attribute Gottes tretenwir der göttlichen Vollkommenheit nicht nahe (wie einige haarspaltendeMutaziliten glauben); denn sie bilden nicht einen fremden Zusatz zuseinem Wesen, sondern sind mit ihm eins^). Alle übrigen Eigenschaften

*) lümuuot II. 5. III. gegen Ende 8 und 10.

h Das. I. 1-3, 5.

o) Das. II. 1-4.