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Geschichte der Juden.
Ein geringfügiger Vorfall hatte die ganze sittliche Verderbtheitder jüdischen Würdenträger grell ans Tageslicht gezogen. Ein Prozeßum eine bedeutende Erbschaft war vom Exilarchen David aus Rücksichtauf reichen Gewinn nicht ganz gewissenhaft entschieden worden. Umdas Erkenntniß rechtskräftig und unangreifbar zu machen, verlangteDavid die Unterschrift der beiden Gaonen unter die von ihm aus-gestellte Urkunde. Der greise Kohen-Zedek hatte nichts dagegen einzu-wenden und ertheilte seine Zustimmung. Saadia aber mochte nichteiner Ungerechtigkeit seinen Namen leihen. Auf das Drängen derParteien gab er den Grund seiner Weigerung an. Der Exilarch David,dem nun doppelt daran lag, Saadia's Unterschrift zu haben, ließ ihmdurch seinen Sohn Jehuda kraft seiner Würde die Weisung zugehen,ohne Umstände das Aktenstück zu unterschreiben. Saadia entgegneteruhig: Das Gesetz verbiete ihm solches; denn es schreibe vor, in Rechts-sachen keine Rücksicht auf Groß und Klein zu nehmen. Abermalssandte David seinen Sohn zu Saadia, und ließ ihm mit Amtsent-setzung drohen. Jehuda schlug Anfangs einen sanften Ton an undbeschwor Saadia, keine unangenehmen Reibungen zu veranlassen. Alser ihn aber standhaft fand, und er des Hin- und Hergehens müdewar, hob er die Hand gegen Saadia auf und forderte ungestüm dessenUnterschrift. Saadia's Leute warfen aber den Frechen hinaus undverrammelten die Thür des Sitzungssaales. David b. Sakka'i, dersich für beschimpft hielt, entsetzte darauf den Gaon seines Amtes,legte ihn in den Bann und ernannte auf der Stelle einen NachfolgerJoseph b. Jakob b. Satia, einen jungen Mann, der Saadia'sSchüler hätte sein können. Saadia war aber nicht der Mann, sichdurch Gewaltstreiche einschüchtern zu lassen. Er erklärte seinerseitsDavid seiner Würde als Exilarch entsetzt und ernannte gemeinschaftlichmit seinem Anhänge dessen Bruder Josia Hassan zum Exils-fürsten (930 Z.
Sofort bildeten sich zwei Parteien in Babylonien, eine saadianischeund eine davidische. Zu Saadia hielten sämmtliche Glieder des sura-nischen Collegiums, viele angesehene, verdienstvolle und gelehrte MännerBagdads 2) und .darunter auch die Söhne Netira's, welche den Einflußihres Vaters geerbt hatten. Gegen ihn waren Aaron-Jbn-Sargadu,sein Anhang und wahrscheinlich auch Kohen-Zedek mit dem pumba-ditanischen Collegium. Beide Parteien appellirten an den Chalifen
Z Nathan Babli das.; Abraham Jbn-Daud. Scherira Sendschreiben.Vergl. Harkam) in Frankel-Grätz Monatsschrift 1882, S. 167.
Nathan Babli, Maßudi in Note 20.