Saadia als Gaon.
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Autoritäten gewirkt hatten. Bald aber mußte ihm sein gesunder Sinnsagen, daß von der ehemaligen Größe kaum noch ein Schatten gebliebenwar, daß die hochtönenden Titel und Würden nur noch Scheindingewaren, daß der Todeswurm bereits an diesen heiligen Alterthümernnagte. Das Exilarchat, der Gipfel des jüdisch-babylonischen Gemein-wesens, war ohne innern Werth und in steter Reibung mit den Hoch-schulen, statt mit ihnen in Einklang zu wirken. Ohne officielles An-sehen bei Hofe konnte das Exilarchat sein Dasein nur von den Höf-lingen und Machthabern des Tages gewissermaßen erkaufen, aber ebenso gut durch Mehrgebot von einer andern Seite in den Staub gedrücktwerden. Die mühsam gefristete und erkaufte Stellung erforderte be-deutende Summen, und diese wurden vom Volke durch Gewalt undmit Willkür erpreßt. Und wie das Exilarchat, so auch die akademischenCollegien. Corruption und Volksbedrückung waren an der Tagesord-nung, um nur recht viele Mittel zur Behauptung der Würde zu er-langen*). Redlicher Sinn, Tugend, innere Frömmigkeit waren denStimmführern ganz abhanden gekommen. Der Exilarch David sandteeinst seinen Sohn aus, um von den Gemeinden außerordentliche Geschenkeeinzutreiben, und als die Gemeinde von Fars (Hamadan?) dieselbenverweigerte, legte sie David in den Bann, machte davon dem WesirAnzeige und dieser dem Chalifen, und der Chalife legte der Gemeindedafür bedeutende Strafgelder auf. Und die Gaonen der Hochschulenhatten kein Wort des Tadels dafür! Saadia selbst, so sehr auchsein hoher Sinn empört über manche Vorgänge war, mußte schweigen;seine Stellung war noch zu neu. Auch hatte ihm gerade seine GrößeFeinde erweckt, die auf seinen Sturz lauerten. Nicht blos Kohen-Zedekwar eifersüchtig auf ihn, weil Pumbadita durch ihn verdunkelt wurde,sondern ein junger Mann aus Bagdad, von tiefen Kenntnissen, großenReichthümern und bedeutendem Einflüsse, Aaron (Kaleb) Jbn-Sar-g'adu, war mißgünstig auf ihn und ihm feindlich gesinnt. Saadiahüllte sich daher gegenüber den tiefen Schäden in dem jüdischen Gemein-wesen Babyloniens in Schweigen, er wollte erst festen Boden in seinemWirkungskreise gewinnen. Als ihm aber das unsittliche Treiben derVertreter des Judenthums zu arg und sein Rechtsgefühl zu sehr ver-letzt wurde, und man ihm gar zumuthete, sich an Schlechtigkeiten zubetheiligen, konnte er nicht mehr an sich halten und offenbarte seinenunbeugsamen Charakter.
*) Diese grelle Schilderung beruht theils auf den mitzutheilenden That-sachen, theils auf den Nachrichten des Zeitgenossen Sahal Abulsari in dessenSendschreiben bei Pinsker S. 31.
') Nathan Babli das.
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