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Geschichte der Juden.
David beschloß daher, die Vacanz wieder zu besetzen, und hatte dafürzwei Männer im Vorschlag: Saadia und einen sonst unbekanntenZemach b. Schahin, der von altem Adel war. Ueber die Wahleines dieser beiden berieth sich der Exilarch mit dem blinden NissiNaharwani, dessen Rath um so uneigennütziger war, als er selbst dieGaonwürde abgelehnt hatte. Nissi stimmte für Zemach, nicht deswegen,weil er gegen Saadia etwas einzuwenden hatte, im Gegentheil, erspendete ihm überschwengliche Lobeserhebungen. „Saadia übertrifft anWeisheit, Frömmigkeit, Beredtsamkeit alle seine Zeitgenossen," sprachNissi, „aber er besitzt einen festen, unabhängigen Sinn, der vor Nichtszurückschreckt." Von diesem unbeugsamen Sinn Saadia's fürchtete Nissi,der ihn richtig benrtheilte, einen Ausbruch von Reibungen zwischenihm und dem Exilarchen, der in dem suranischen Gaon nur ein ge-fügiges Werkzeug brauchte, um die Anmaßung der pumbaditanischenHochschule Niederhalten zu können. Nichtsdestoweniger entschied sichDavid für Saadia's WahlZ. Er wurde aus Egypten nach Suraberufen und förmlich zum Gaon ernannt (Mai 928^). Es war diesesein Ausnahmefall, daß eine auswärtige Persönlichkeit, die nicht eineReihe von Jahren an den talmudischen Hochschulen zugebracht hat undvon Stufe zu Stufe auf der Leiter der Aemter aufgestiegen war, zurhöchsten Würde nächst dem Exilarchen erhoben worden wäre. Nochdazu war Saadia im Grunde mehr durch wissenschaftliche Leistungenals durch talmudische Gelehrsamkeit bekannt. Mit Saadia's Berufungzum Gaonate hat Babylonien gewissermaßen die Suprematie, die essieben Jahrhunderte über die Judenheit aller Länder besessen hatte, andas Ausland abgetreten und die philosophische Wissenschaft zur Gleich-berechtigung mit dem Talmud erhoben. Der Forschergeist, welcher mitAnan, dem Stifter des Karäerthums, aus den Hallen der Hochschulenverbannt worden war, hielt in Saadia seinen feierlichen Einzug indieselben.
Saadia verlieh durch seine Persönlichkeit und seinen Ruf der sura-nischen Hochschule einen neuen Glanz, und während seines Präsidiumstrat Pumbadita in den Schatten. Die Lücken, welche im akademischenCollegium entstanden waren, suchte er zu ergänzen, berief würdige,wenn auch junge Männer zu den akademischen Aemtern^) und warseinen Berufspflicbten treu. Mit welchen Gefühlen mag er zum ersten-male die Lehrhalle» betreten haben, wo die großen amoräischen
9 Wörtlich nach den Berichten des Nathan Babli das.
2) Scherira das.
o) Scherira bemerkt das in seinem Sendschreiben mit einem hämischenSeitenblick.