Druckschrift 
5 (1895) Geschichte der Juden vom Abschluß des Talmuds (500) bis zum Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027)
Entstehung
Seite
256
Einzelbild herunterladen
 

256

Geschichte der Juden.

grammatischen Gründen die Lehre der Karäer zu beweisen, daß manam Sabbat kein Licht und Feuer, wenn auch vor Sabbat angezündet,brennen lassen dürfe, da auch solches eine Verletzung der Sabbatruhesei. Er warf im Verlaufe den Rabbauiten vor, daß sie vom Wegeder Wahrheit abgewichen seien, Unerlaubtes gestattete» und Erlaubtesverböten, die Berührung mit unreinen Personen und Gegenständenungescheut übten. Sodann kehrte Salmon seine Geschosse gegen denTalmud.Gegen unfern Lehrer Anan hat er (Saadia) seine Zähnegefletscht, weil dieser gegen seine Weisen die Waffen geschliffen. Nundarum soll mein Köcher gegen ihn klirren, alle meine Pfeile will ichgegen ihn abdrücken, will die Gräuel Deiner Lehrer aufdecken." Salmonging darauf die agadischen Aussprüche durch, welche von Gott inmenschlicher Weise sprechen, deckte die Blößen jener mystischen Schriftenauf, welche Gott Gliedmaßen und räumliche Ausdehnung beilegen(8olünr Uomali o. S. 193), für deren unwürdige Auffassung von Gotter sämmtliche Rabbauiten verantwortlich macht, ohne zu bedenken, daßsie nur Ausgeburten einzelner Gedankenlosen waren.

Beu Jerucham war übrigens nicht der einzige Karäer, der Saadia'sAngriffe auf das Karäerthum abzuwehren suchte. Als wenn dieExistenz ihres talmudfeindlichen Bekenntnisses dadurch gefährdet wäre,eiferten sie gegen den ju»g>n Nabbansten von Fajum, der mit Geistund Muth diese Neuerung bekämpfte. Noch zwei oder drei karäischeLehrer von Bedeutung zogen gegen ihn ob in eigenen Schriften oder ge-legentlich zu Felde. Joseph Roeh*), Hassan b. Maschiach undJbn-Sakwijah (wenn dieser nicht mit einem der beiden erstenidentisch ist). Joseph b. Abraham Roeh (Abu-Jakob Albassir^), derwegen seiner Blindheit und seinerdie Leuchte" betitelten Schriftder Hellsehende" genannt wird, viele Reisen gemacht hatte, mit derarabischen Schulweisheit vertraut war und mehrere Sprachen verstand,verfaßte mehrere philosophische Schriften in scholastischem (mutazili-tischem) Geiste und auch religiös gesetzliche Abhandlungen theils inhebräischer und theils in arabischer Sprache. Indessen hat ihn keinesseiner Merke so berühmt gemacht, wie dasjenige, worin er gegen dasSystem der Verwandtschaftsübertragung (o. S. 204) angekämpst hat.Manche Eheverbindung, welche ältere Karäer als Blutschande brand-markten, gestattete er einzugehen. In einem seiner Werke (Maor)polemisirte Joseph Roeh gegen Saadia (910 - 930). Hassan b.

*) Frankl, Monatsschrift. Jahrg. 1871, S. 111.

2) Vcrgl. über denselben Pinsker lülrlrabs Nr. 14. In Maor polemisirteJoseph gegen Saadia, citirt von Jephet b. Zair in Dod Mardochai und anderenSchriftstellern.