Druckschrift 
5 (1895) Geschichte der Juden vom Abschluß des Talmuds (500) bis zum Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027)
Entstehung
Seite
238
Einzelbild herunterladen
 

238

Geschichte der Juden.

Juden durch das Beispiel einer bedeutenden Persönlichkeit die Bahnfür eine wissenschaftliche Richtung bereits vorgezeichnet, welche diekünftigen Geschlechter durchlaufen sollten.

Während die Rabbaniten erst den Versuch machten, eine wissen-schaftliche Richtung einzuschlagen, tummelten sich die Karäer auf derbreitgetretenen Bahn der mutazilitischen Philosophie, ohne jedoch einenneuen fruchtbaren Gedanken aufzustellen; sie klebten an trockenenFormeln. In kaum znrückgelegter Jugend zeigte das Karäerthum schondie Spuren vollendeten Alters. Der Bibelforschung, verbunden mitSprachwissenschaft, wendete es alle Sorgfalt zu, aber auch hierinmachte es keinen Fortschritt. Es sind daher nur Namen und einigebedeutungslose Aussprüche von Karäern dieses Zeitabschnittes bekannt Z.

Jn der Stammgemeinde des Karäerthums, in Jerusalem, nahmdasselbe einen büßermäßigen, asketischen, mönchischen Charakter anSechzig Karäer aus Nah' und Fern thaten sich zusammen, verließenihr Hab und Gut und ihre Familie, lebten gemeinschaftlich, enthieltensich von Wein und Fleisch, trugen ärmliche Kleidung, fasteten undbeteten. Dieses Büßerleben führten sie, um die Erlösung Jsrael'sherbeizuführen. Sie nannten sich dieTrauernden um Zion undJerusalem" (^.belä 2iou). Jeder von ihnen setzte zu seiner NamensUnterschrift die Bezeichnungder Trauernde" (b»-^bäl) hinzu. Entweder sie selbst oder die übrigen Karäer, welche deren übertriebeneFrömmigkeit bewunderten, wendeten auf diese sechszig Büßer den

(Mitgetheilt von Ollsrbouusau äourual ssiatigus 1855 Llaiäuui 541):La, uaort (ä'0böiä-^.11ali) tut, oausss par uns xotiou äs oolebigus öxbs-rusrs. Hu juck, uoruius Isaas, 1'su äissuaäait su lui äisaut gus,axrss Is rsxos gus es brsuva^s lut xrooursrs.it. Iss äoulsurs äsvaisutisäoublsr st I'sruxortsr au toiubsau. II rslusa äs Is eroirs st lg,ruort sueoeäs, auealius gu'tl avait obtsuu. Nun starb Ubaid-Allah 322 derHegira 934 35. Folglich kann die Zahl 32V nicht richtig sein, sondern 330ist vorzuziehen. Wenn Munk aus arabischen Historikern, Jbn-Alathir, Jbn-Khaldun, und anderen die Nachricht heranzieht, daß Isaak Israeli noch denTod des dritten fatimidischen Chalifen Jsmael Almansur (st. 341 Hg. 953)überlebt hat iHoties das. S. 44), so beruht das auf einer Verwechselung zweieähnlichen Thatsachen. Denn auch Jsmael-Almansur starb aus Ungehorsamgegen seinen jüdischen Arzt. Jbn-Khaldun übersetzt von äs Linus: kckausours'sxxosa Is, usiM st sutrs. au baiu soutrs 1'avis äs sou rusäieiu IsaaoIbu Lulsiiuau al Israslt. Aber der Leibarzt des Chalifen Jsmael Almansurwar Dunasch b. Tamim, der ihm ein Werk über Astronomie gewidmet.Offenbar haben Jbn-Alathir und Andere den Meister mit dem Jünger ver-wechselt. Isaak Israeli starb demnach nach Ubaid-Allah, und lebte nicht mehrzur Zeit Jsmael's.

') Vergl. über alle diese Punkte die interessanten Urkunden in Pinsker'slüüleuts Laäruouiot.