Druckschrift 
5 (1895) Geschichte der Juden vom Abschluß des Talmuds (500) bis zum Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027)
Entstehung
Seite
235
Einzelbild herunterladen
 

Halachot Gedolot und Josippon.

235

Mißgriffe gemacht Z. In der Einleitung zu diesem Werke behaupteter die Wichtigkeit der Tradition, wahrscheinlich den Karäern gegen-über. Dieses Werk wurde eine Fundgrube für die Späteren, wurdeaber von den Gaonen nicht besonders geachtet. Auch ein geschicht-liches Sammelwerk entstand in dieser Zeit; die Geschichte der nach-exilischen Epoche bis auf den Untergang des Tempels hat einUnbekannter in arabischer Sprache theils aus Josephus und denApokryphen und theils aus Sagen zusammengetragen. Dieses Ge-schichtswerk führt den Titel: Geschichte der Makkabäer oderJosef b. Gorion (Dariob al Naülrabaio, üussuk Um 6'orxon), ara-bisches Makkabäerbuch 2 ). Später hat es ein italienischer Jude mitZusätzen in die hebräische Sprache mit vieler Sprachgewandtheit über-tragen, und diese Ueberarbeitung ist verbreitet unter dem TitelJosippon (Pseudojosephus). Dieses Werk hat bei der Unkenntnißder urkundlichen Quellen der ältern jüdischen Geschichte viel beige-tragen, die Aufmerksamkeit der Juden auf ihre glorreiche Vorzeit zuerwecken.

Die schriftstellerische Thätigkeit der officiellen Vertreter des Juden-thums an den beiden Hochschulen bewegte sich innerhalb des talmu-tuschen Kreises. Von wissenschaftlicher Forschung hatten sie keineAhnung, mochten sie wohl als Hinneigung zum Karäerthum ver-ketzern. Aber außerhalb des Gaonats in Egypten und Kairuan regtesich ein Drang nach Wissenschaft unter den Rabbaniten, Anfangsschwach, aber mit jedem Jahre immer höher anschwellend, als fühltendie rabbanitischen Denker, daß, so lange das talmudische Judenthumin wissensfeiudlicher Abgeschlossenheit verharrt, es gegen das Karäer-thum nicht Stand halten könne. Textgemäße Auslegung der heiligenSchrift (Exegese) und hebräische Sprachkunde waren die Fächer, welchedie Karäer anbauten, und eine Art Philosophie zogen sie mit hinein,wenn auch nur als Hilfswissenschaft. Auf diesem Gebiete traten gegenEnde des neunten Jahrhunderts einige Rabbaniten einen Wettlaufmit ihnen an. In Egypten verfolgte die wissenschaftliche Richtungein sonst unbekannter Mann Namens Abu-Kethir, Lehrer desspäter berühmt gewordenen Saadia. Abu-Kethir führte in Palästina

*) Maimuni Einleitung zu 8stsr ba -

-) Es ist zum Theil in der Polyglotte unter dem Titel arabischesMakkabäerbuch abgedruckt, aber vollständiger bis auf Titus' Zeit herab-reichend in zwei bodleyanischen Handschriften vorhanden (Dri Katalog Nr. 782,829). Dunasch b. Tamim kennt schon Manches aus diesem Werke (Munk,dlobios sur ^.boulrvalick 54. 2). Daher muß es vor ihm verfaßt sein (v or955).Den hebräischen Josippon konnte Dunasch nicht kennen.