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5 (1895) Geschichte der Juden vom Abschluß des Talmuds (500) bis zum Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027)
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Geschichte der Juden.

Vom Standpunkte des Glaubens und der kanonischen Gesetzewar die Beweisführung Agobard's und der anderen Bischöfe unwider-leglich, und wenn der Kaiser Ludwig der Fromme auf diese Logik«twas gegeben hätte, so hätte er die Juden seines Reiches mit Stumpfund Stil vertilgen müssen. Er gab aber glücklicherweise gar nichtsdarauf, entweder weil er Agobard's Gesinnung kannte, oder weil ihmvielleicht die Anklageschriften gegen die Juden gar nicht zu Gesichtekamen, indem wie Agobard fürchtete die Freunde der Judenbei Hofe sie gar nicht vorlegen ließen. Der judenfeindliche Bischofvon Lyon rächte sich aber dafür, daß er sich ein Jahr darauf (830)an der Verschwörung gegen die Kaiserin Judith und ihre Freundebetheiligte, und sogar sich den entarteten Söhnen anschloß, welche denVater entthronen und demüthigen wollten und ihr Vorhaben zum Theilausgeführt haben. Agobard wurde daher seiner Bischofswürde entkleidetund mußte nach Italien entfliehen. Später gab ihm Ludwig's Langmuthseine Würde zurück; aber er unternahm nichts mehr gegen die Juden.

Bis an sein Lebensende blieb Ludwig den Juden gewogen, obwohlsein frommes Gemüth durch den Uebertritt eines seiner Lieblinge zumJudenthume tief verwundet wurde, und diese Thatsache ihn hätte gegensie erbittern können. Die Bekehrung des Edelmanns und hohenGeistlichen Bodo zum Judenthume hat zu ihrer Zeit viel Aufsehengemacht. Die Chroniken berichten darüber, wie über Calamitäten vonHeuschreckenschwärmen, Kometenerscheinungen, Ueberschwemmungen undErdbeben. Der Fall war in der That von außergewöhnlichen Um-ständen begleitet und geeignet, fromme Christenseelen stutzig zu machen.Bodo oder Puoto, aus einem alten alemannischen Geschlechte, weltlichund geistlich unterrichtet, war Geistlicher geworden und nahm denRang eines Diakonus ein. Der Kaiser war ihm sehr gewogen undernannte ihn zu seinem Seelsorger, um ihn stets bei sich zu haben.In fromm-katholischer Gesinnung hatte sich Bodo die Erlaubniß erbeten,nach Rom ziehen zu dürfen, dort den Segen des Papstes zu empfangen,und an den Gräbern der Apostel und Märtyrer zu beten. Der Kaisergewährte ihm diesen Wunsch, entließ ihn und gab ihm reiche Geschenke.Aber anstatt in der Hauptstadt der Christenheit in seinem Glaubengestärkt zu werden, faßte Bodo gerade dort eine tiefe Vorliebe fürdas Judenthum. Die Veranlassung dazu ist unbekannt geblieben.Sollte vielleicht die an Ludwig's Hofe günstige Stimmung für Judenund Judenthum ihn angeregt haben, darüber nachzudenken, beideReligionsformen mit einander zu vergleichen und die Vorzüge desJudenthums herauszufinden? Das unsittliche Treiben der Geistlichenin der christlichen Hauptstadt welches Veranlassung gab zur Satyre