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5 (1895) Geschichte der Juden vom Abschluß des Talmuds (500) bis zum Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027)
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Agobard.

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vom Hofe wurden einige Christen aus dem Volke für das Judenthumeingenommen, sahen es als die wahre Religion an, fanden es über-zeugender als die Christuslehre, beobachteten den Sabbat und arbeitetenam Sonntags). Mit einem Worte, die Regierungszeit des KaisersLudwig des Frommen war für die Juden seines Reiches eine goldenesZeitalter, wie sie es in Europa weder vorher noch später bis in dieneuere Zeit erlebt haben.

Aber wenn der jüdische Stamm zu allen Zeiten Feinde hatte,so konnten sie in dieser Zeit den französischen Juden, eben weil diesesich in der Gunst des Hofes sonnten und auch beim Volke beliebtwaren, und weil sie mit ihren Religionsansichten frei auftreten durften,gewiß nicht fehlen. Die Anhänger strenger Kirchlichkeit sahen in derVerletzung der kanonischen Gesetze zu Gunsten der Juden und in derihnen gewährten Freiheit den Untergang des Christeuthums. Neidund Gehässigkeit versteckten sich hinter die Orthodoxie. Die Gönnerder Juden bei Hofe, die Kaiserin an der Spitze, wurden ohnehin vonder klerikalen Partei, welche den Kaiser zu beherrschen trachtete, bittergehaßt. Sie übertrug den Ingrimm gegen die freisinnige Partei amHofe auf die Juden. Der Vertreter der kirchlichen Rechtgläubigkeitund des Judenhasses in dieser Zeit war Agobard, Bischof von Lyon,den die Kirche zum Heiligen gestempelt hatte. Agobard war ein un-ruhiger, gallerfüllter Mann, dessen Leidenschaftlichkeit ihn bis zurVerleumdung der Kaiserin Judith, bis zur Auflehnung gegen denKaiser und bis zur Verführung der Prinzen hinriß. Er unterstütztedie pflichtvergessenen Söhne des Kaisers, namentlich Lothar, sich gegenden Vater aufzulehnen. Man nannte ihn daher den Achitophel, derden Absalom-Lothar gegen David-Ludwig aufstachelte. DieserBischof sann darauf, die Freiheit der Juden zu beschränken und siewieder in die niedrige Stellung zurückzuweisen, die sie unter den ent-arteten merowingischen Königen eingenommen hatten. Ein gering-fügiger Vorfall bot ihm eine Handhabe dazu.

Die Sklavin eines angesehenen Juden von Lyon war ihremHerrn entflohen und, um ihre Freiheit zu erlangen, hatte sie sich vonAgobard taufen lassen (um 827^). Die Juden sahen in diesem Akte

1) Agobard das. 107: lllnlls st in tsmtuna Zra- pels.AU8 uoniullll sxvulZaribus s,o rnstiois abäusuutur, ut buua soluoa Ost ssss xoxrlluiu,krxull dos (llulls-sos) pias isliZiollis obssrvautiÄiu, kts nullt» osrtiorsuaguain nostrs, sib üllsiu st ors inaxio iutsr parss st oousinlllss tats-antur. Vergl. Amolo das. v 61.

2) Um die chronologische Aufeinanderfolge der judenfeindlichen SchriftenAgobard's, die in mancher Beziehung merkwürdig sind, festzustellen, muß Fol-

Graetz, Geschichte der Juden. V. 14