208
Geschichte der Juden.
Die Juden hatten daher freien Zutritt bei Hofe und verkehrten un-mittelbar mit dem Kaiser und den ihm nahen Personen. Verwandtedes Kaisers beschenkten jüdische Frauen mit kostbaren Gewändern Z,um ihre Verehrung und Anhänglichkeit zu bekunden.
Bei solcher außerordentlichen Gunst von Seiten des Hofes wares ganz natürlich, daß die Juden des fränkischen Reiches — welchesauch Deutschland und Italien umfaßte — eine ausgedehnte Religions-freiheit genossen, wie kaum in unseren Tagen. Die gehässigenkanonischen Gesetze gegen sie waren stillschweigend außer Kraft gesetzt.Die Judeu durften ungestört neue Synagogen bauen und frei überdie Bedeutung des Judenthums in Gegenwart christlicher Zuhörersprechen, daß sie „die Nachkommen der Patriarchen", „das Geschlechtder Gerechten", „die Kinder der Propheten" sind2). Ohne Scheudurften sie ihre aufrichtige Meinung über das Christenthum, über dieWunderthätigkeit der Heiligen und Reliquien und über die Bilder-verehrung äußern 3). Christen besuchten die Synagogen, erbauten sichan dem jüdischen Gottesdienst und, merkwürdig genug, fanden mehrGeschmack an den Vorträgen der jüdischen Kanzelredner (varsobauim)als an den Predigten der Geistlichen^), obwohl jene schwerlich dentiefen Inhalt des Judenthums auseinanderzusetzen im Stande waren.Jedenfalls müssen wohl damals die jüdischen Kanzelredner in derLandessprache vorgetragen haben. Hochgestellte Geistliche trugen keineScheu, von den Juden die Auslegung der heiligen Schrift zu lernen.Wenigstens gesteht es der Abt Rhabanus Maurus von Fulda ein, daßer von den Juden Manches gelernt und in seine Commentarien zurheiligen Schrift, die er dem nachmaligen Kaiser Ludwig dem Deutschengewidmet, verwebt habe^). In Folge der Begünstigung der Juden
*) Das. Huoä bouorabilitsr iuZrockiautur (lluäasil iu sousxsoiuvsstro st sZrsäiaubur; äum ostsuäuut vsstss mulisbxss, quasi a oou-sauZuiusis vssbris st matrouis Dalatiuorum uxoribus soium äirsotas.
Agobard das. 1V3: Dum ss patriarobarum proZsuism, sustorumZsuus, l?roxb.starum sobslsm supsrbo ors xsrloquuutui (lluäasi), iguo-rautibus (Obristiauis) qui baso auäisut.
°) Das. S. 77.
*) Das. 64: boo xsrvsuitur, ut äioaut imxsriti Obristiaui, mslius
sis prasckisari ckuäasos quam ^rssb^tsros uostros. EbensoAmolo a. a. O. o. 41.' Dt eum sis ssrvos Obristiauos babsrs uou lissat,babsut ssrvisutss sibi libsros Obristiauos, iu quibus tautum proüeiatsorum impistas ^— ut äisaut, mslius sos sibi xrasäieari quam ^rssbz^-tsros uostros.
Dbabauus lllaUrus prast^atio iu rSASs: Drastsrsa Dsbrasi ou^'us-äam moäsruis tsmporibus iu lsZis soisutia oaxitulis traclitiousmDsbrasorum uou pauois loois simul cum uota uomiuis sjus iussrui.Ebenso xrastatio iu Darali^>omsua.