Rivalität um das Exilarchat. 197
rechtsgutachtliche Bescheide her, die er auf ergangene Anfragenerlassen hatte.
Aber eben so wie die Geheimlehre fand auch die freiere Richtung,ja selbst das Karäerthum, Eingang in die Hallen der Lehrhäuser.Durch diese gegensätzliche Geistesrichtung entstanden natürlich Reibungund Spannung, und diese traten bei der Erledigung des Exilarchatsan den Tag. Im Jahre 825 sollte ein neuer Exilsfürst erwähltwerden. Zwei Prätendenten traten auf, um einander diese Würdestreitig zu machen: David b. Jehnda und Daniel. Der Letztereneigte sich dem Karäerthum zu. Dennoch und vielleicht gerade des-wegen fand er Anhänger in Südbabylonien, die ihm ihre Stimmengaben. Die Nordbabylonier dagegen, welche zu Pumbadita (Anbar)gehörten, waren entschieden für David, der sicherlich zu den Fromm-gläubigen gehörte. Der Streit wurde mit Erbitterung geführt. DerMystiker Abraham b. Scherira wurde in Folge dessen abgesetzt undan seine Stelle R' Joseph b. Chija ernannt, man weiß nicht, vonwelcher Partei. Aber Abraham hatte in Pumbadita Anhänger, diefest an ihn hielten und dem Gegengaon die Anerkennung versagten.Der Streit konnte in der eigenen Mitte nicht ausgetragen werden,und beide Parteien wandten sich an den Chalifen Almamnn, den Exil-archen ihrer Wahl zu bestätigen. Almamun war aber damals auchvon einer Streitigkeit in der morgenländischen Kirche wegen zweiPrätendenten um das chaldäisch - christliche Patriarchat behelligt undwollte sich solche Prozesse vom Halse schaffen. Er lehnte daher dieEinmischung in die inneren Angelegenheiten der Juden und Christenentschieden ab und erließ ein Dekret, daß es fortan jeder Parteigestattet sei, für sich ein religiöses Oberhaupt zu ernennen. Wennzehn Juden sich einen Exilarchen, zehn Christen einen Katholikos, oderzehn Feueranbeter sich einen Obermagier wählen wollen, so bleibeihnen das unbenommen ^). Dieses eben so weise, wie den Bestanddes Exilarchats gefährdende Dekret war wohl beiden Parteien nichtrecht; es ließ den Streit unentschieden. Wir sind im Dunkeln darüber,wie er geschlichtet wurde; nur so viel ist bekannt, daß sich Davidb. Jehnda behauptet und noch über ein Jahrzehnt fnngirt hat (bisum 840). Auch an der suranischen Hochschule waren in Folge dessenStreitigkeiten ausgebrochen (827), deren Natur und Tragweite jedochnicht bekannt geworden sind. In der pumbaditanischen Hochschuledauerte aber die Spannung zwischen den beiden Schulhäuptern längerfort. Zuletzt einigten sich beide Parteien dahin, daß beide Gaonen
*) Bergt. Note 12, 6.