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5 (1895) Geschichte der Juden vom Abschluß des Talmuds (500) bis zum Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027)
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Die Mystik.

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ihn nicht grüßen, nichts von ihm cinnehmen dürfe; man soll ihn über-haupt wie einen Verstorbenen behandeln, bis er sich fügt. Setzt ersich hartnäckig über den Bann hinweg, so dürfe man ihn dem welt-lichen Gerichte überliefern. Auch an dem talmudischen Grundsatz hieltBenjamin fest, daß jeder Sohn des Judenthums verpflichtet sei, seineStreitsache von einer jüdischen Gerichtsbehörde entscheiden zu lassen,und es sei verpönt, sich an das weltliche Gericht zu wenden. Ob-wohl Benjamin Nahawendi im Einzelnen sich dem Rabbaniteuthumzuneigte, so hielt er nichtsdestoweniger an dem karäischen Princip derfreien Bibelforschung fest. Man dürfe sich nicht an Autoritäten binden,sondern müsse seiner eigenen Ueberzeugung folgen; der Sohn dürfevom Vater, der Jünger vom Meister abweichen, sobald sie Gründe fürihre abweichende Ansicht haben.Das Forschen ist Pflicht, und Jrr-thum im Forschen ist keine Sünde."

Wie die altgläubigen mohammedanischen Religionslehrer der aus-schweifenden Vernünftelei der Mutaziliten entgegenarbeiteten und indas entgegengesetzte Extrem verfielen, sich die Gottheit körperlich vor-zustellen, ihr Glieder mit einer ungeheuerlichen Ausdehnung undkörperartigen Bewegung beizulegen, so verfuhren auch jüdische Anhängerder alten Lehre, welche die vernünftelnde Neuerung für einen Abfallvom Jndenthume hielten, und geriethen auf die blödsinnigste Vorstellungvon der Körperlichkeit Gottes. Auch sie wollten die biblischen Be-zeichnungendie Hand, der Fuß, das Sitzen und Gehen Gottes"buchstäblich genommen wissen. Die agadische Auslegung der Schrift^die sich zuweilen in sinnlichen, handgreiflichen, für das Verständnisder Menge berechneten Wendungen gehen läßt, leistete ihrer gegen-jüdischen Theorie Vorschub. Diese Theorie, die von einem Schwach-kopf ausging, aber durch die geheimnißreiche Art ihrer BekundungAnhänger fand, entwirft eine förmliche Schilderung von Gottes WesenGlied für Glied, mißt seine Höhe von Kopf bis zu Fuß nach Para-sangeuzahlen, spricht in heidnischer Weise von Gottes rechtem undlinkem Auge, Unter- und Oberlippe, von Gottes Bart und ähnlicherZergliederung, das auch nur zu wiederholen gotteslästerlich ist. Umaber der Erhabenheit und Gottes Größe nichts zu vergeben, dehntsie jedes Glied ins Ungeheuerliche aus und meint damit Genügegethan zu haben, wenn sie erklärt, das Meilenmaß, nach dem dieTheile gemessen werden, überrage bei weitem die ganze Welt (8vliiur-Lowa). Diesem so lästerlich zergliederten und gemessenen Gotte giebtdiese Theorie einen eigenen Haushalt im Himmel mit sieben Hallen(Uevbalot). In der höchsten Halle sitze Gott auf einem erhabenenThrone, dessen Umfang ebenfalls ungeheuerlich ausgemessen wird. Der

Gr netz, Geschichte der Juden. V. 13