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5 (1895) Geschichte der Juden vom Abschluß des Talmuds (500) bis zum Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027)
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Geschichte der Juden.

einen ähnlichen Gedanken wie Philo der Alexandriner (B. III396 f.)Gott habe unmittelbar nur die Geisterwelt und die Engel geschaffen,die irdische Welt dagegen sei von einem der Engel geschaffen worden.Gott sei also nur mittelbar als Weltschöpfer zu betrachten. Eben soseien die Offenbarung, Gesetzgebung auf Sinai und die Begeisterungder Propheten nur -von einem Engel ansgegangen. Allerdingswiderspreche der schlichte Wortsinn der heiligen Schrift dieser Annahmeauf das Entschiedenste. Allein man dürfe nicht bei dem Buchstabenstehen bleiben, sondern müsse ihn in einem höhern Sinne auffasseu.Wie ein Chalife einen Botschafter aus seinem Kreise entsendet, ihmBefehle ertheilt, ihm seinen Namen leiht und sich solchergestalt mitihm identificirt, eben so ist das Verhältniß zwischen Gott und demgesetzesoffenbarenden Engel zu fassen. Wenn es heißt,Gott schuf,Gott fuhr herab, Gott erschien", so sei das Alles nicht unmittelbarvon ihm selbst, sondern von seinem stellvertretenden Engel zu verstehen.Nach acht Jahrhunderten feierte Philo's Logos in Nahawendi'sEngel seine Auferstehung. Uebrigens war Benjamin kein tiefdenkenderKopf. Von der Oeele hatte er noch einen so niedrigen Begriff, daßer ihren Sitz in einem begrenzten Körpertheile annahm, und nachbiblischer Anschauung glaubte er, die Höllenstrafe werde nicht an derunsterblichen Seele, sondern an dem sterblichen Leibe vollzogen werden^).Einige Jünger eigneten sich Benjamin's Jdeenkreis an und wurden(man weiß nicht aus welchem Grunde) als eine besondere Sekte Ma-karijiten oder Magharijiten^) genannt.

Während Benjamin Nahawendi religionsphilosophisch weit von demLehrbegriffe des Judenthums, wie er allgemein anerkannt wurde, ab-ging, näherte er sich nach der Seite der Pflichtenlehre sogar den Rab-baniten. In einem Werke über die Gesetze (8sker «liniw auch üllasrimLenjawin) und in andern Schriften, die er verfaßte, verwarf er mancheErklärung Anan's und anderer Karäer, nahm dagegen manche talmudischeBestimmungen auf und stellte es den Karäern anheim, dieselben alsNorm anzunehmen oder zu verwerfen. Benjamin Nahawendi führtesogar einen Bann ein, der nur wenig von dem Banne der Rabbanitenverschieden war, um den Gesetzen Nachdruck zu geben. Wenn eine ver-klagte Partei sich auf die ergangene Einladung nicht stellt und sichdem Gerichte entziehen will, so dürfe man sie sieben Tage hinterein-ander verfluchen und dann den Bann über sie verhängen. Er solldarin bestehen, daß kein Gemeindeglied mit dem Gebannten verkehren,

Laaclia Uninnot VI. 4 .

-) Note 18 II.