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5 (1895) Geschichte der Juden vom Abschluß des Talmuds (500) bis zum Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027)
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Benjamin Nahawendi.

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von Gottes Gerechtigkeit ausgehen und annehmen, der Mensch sei Herrseiner Handlungen, er habe Willensfreiheit, und Lohn und Strafekommen auf eigene Rechnung. Während Jehuda aus Hamadan nachdieser Seite hin einer freien Ansicht huldigte, empfahl er nach derpraktischen Seite die strengste Askese. Seine Anhänger enthielten sichdes Fleisches und Weines, fasteten und beteten viel, waren aber inBetreff der Festeszeiten schwankend. Denn Jehuda behauptete, dieBibel habe die Feste nach dem Sonnenjahr angeordnet; es sei alsoeben so falsch mit Anan bloß das Mondjahr zu berücksichtigen, alsmit den Rabbaniten beide Jahresformen zu combiniren. Näheresüber diesen mutazilitisch-asketischen Vorläufer des Messias ist nichtbekannt. Seine Anhänger, die sich noch lange als eine eigne Sekteunter dem Namen Judghaniten erhielten, glaubten so fest an ihn,daß sie behaupteten, er sei nicht gestorben und werde wieder erscheinen,um eine neue Lehre zu bringen, wie die mohammedanischen Schiitenvon Ali glaubten. Einer seiner Jünger Muschka wollte die Lehredes Stifters den Juden mit Waffengewalt aufzwingen. Er zog miteiner Schaar Gesinnungsgenossen von Hamadan aus, wurde aber,wahrscheinlich von den Muselmännern, mit neunzehn Mann in derGegend vom Kum (östlich von Hamadan, südlich von Teheran)getödtet.

Jehuda Judghan hatte mehr Gewicht auf asketische Lebensweiseals auf philosophische Begründung des Judenthums gelegt und wardaher 'mehr Sektenstifter als Religionsphilosoph. Ein anderer zeitge-genössischer Karäer Benjamin b. Mose aus Nahawend (800 bis820 *) hat die mutazilitische Religionsphilosophie unter den Karäernheimisch gemacht. Benjamin Nahawendi gilt unter seinen Bekenntniß-genossen als eine Autorität und wird von ihnen gleich dem StifterAnan verehrt, obwohl er vielfach von ihm abwich. Er soll einJünger von Anan's Enkel, dem karäischen Oberhaupte Josiah, ge-wesen sein. Benjamin war von der Voraussetzung der Mutazilitenganz durchdrungen. Er nahm nicht blos Anstoß an den sinnlichen undmenschlichen Bezeichnungen von Gott in der heiligen Schrift, sondernauch an der Offenbarung und Weltschöpfung. Er konnte sich nichtdabei beruhigen, daß das geistige Wesen die irdische Welt hervorge-bracht habe, mit ihr in Berührung gekommen sei, sich zum Zwecke derOffenbarung auf Sinai räumlich beschränkt und artikulirte Laute ge-sprochen haben sollte. Um dem hohen Begriffe von Gott nichts zuvergeben und doch die Offenbarung der Thora zu retten, kam er auf

st Vergl. über ihn Note 17 III. und Note 18 II.