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5 (1895) Geschichte der Juden vom Abschluß des Talmuds (500) bis zum Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027)
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Geschichte der Juden.

hätten bleiben sollen. Dieselben Erscheinungen wiederholten sich daherim jüdischen Kreise, und die Spannung zwischen Karäern und Rabba-niten trug dazu bei, die islamitischen Schulstreitigkeiten auf das Juden-thum zu übertragen. Die officiellen Träger des Judenthums, dieCollegien von Sura und Pumbadita, hielten sich zwar davon fern.Ganz in den Talmud und dessen Auslegung vertieft, beachteten sieAnfangs die leidenschaftliche Bewegung der Geister gar nicht, odergaben ihr nicht nach. Aber außerhalb derselben tummelten sich dieGeister in derselben Rennbahn und rissen das Judenthum in einenneuen Läuterungsprozeß hinein. Wie zur Zeit der Gnostiker gährteund wogte es; die seltsamsten, abenteuerlichsten Verbindungen undGestaltungen wurden zu Tage gefördert: jüdische Anschauungen baldmit griechischen, bald mit islamitischen, bald mit persischen Vorstel-lungen geschwängert. Der matte Strahl der Philosophie, der in diesenaive, bewußtlose, dumpf-religiöse Welt hineinfiel, brachte eine grelleBeleuchtung hervor. Im Allgemeinen folgten die Karäer der muta-zilitischen (rationalistischen) Richtung, die Rabbaniten dagegen, welcheauch die seltsamen agadischen Aussprüche über Gott zu vertretenhatten, der wissensfeindlichen (mugassimitischen) Richtung. Da aberim karäischen Kreise das religiöse Gebäude noch nicht abgeschlossenwar, so bildeten sich innerhalb desselben neue Sekten mit eigenthüm-lichen Theorien und abweichender religiöser Praxis.

Der erste, von dem es bekannt ist, daß er die mutazilitischeRichtung der islamitischen Theologie auf das Judenthum übertrug,war Jehuda JudghanZ der Perser aus der Stadt Hamadan(um 800). Seine Gegner berichten von ihm, er sei ursprünglich, einKameelhirt gewesen. Er selbst gab sich für den Vorläufer des Messiasaus, und als er Anhänger fand, entwickelte er ihnen eine eigen-thümliche Lehre, die ihm auf prophetischem Wege zugekommen sei.Im Gegensatz zu der althergebrachten Anschauungsweise, welche diebiblischen Erzählungen von Gottes Thun und Empfinden buchstäblichverstanden wissen wollte, behauptete Jehuda Judghan: Man dürfe sichdas göttliche Wesen nicht sinnlich und menschenähnlich vorstellen; dennes ist erhaben über alles Creatürliche. Die Ausdrücke der Thoradarüber seien in einem höhern allegorischen Sinne zu fassen. Auchdürfe man nicht annehmen, Gott bestimme vermöge seiner Allwissen-heit und Allmacht auch die menschlichen Handlungen voraus; denndann würde man die Gottheit zur Urheberin der Sünde machen, undeine Strafe dafür wäre eine Ungerechtigkeit. Man müsse vielmehr

*) Vergl. Note 18 Nr. I.