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5 (1895) Geschichte der Juden vom Abschluß des Talmuds (500) bis zum Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027)
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Philosophie und Mystik.

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um die Bibel mit der griechischen Philosophie zu versöhnen. Siedeuteten die Verse in einen allegorischen Sinn (Dawill um. Je mehrsie mit der Gedankenwelt der griechischen Philosophie, welche durchUebersetzungen zugänglich gemacht war, vertrant wurden, und jeklaffender ihnen die Widersprüche zwischen Vernunft und Glaubenerschienen, desto mehr nahmen sie zu Umdeutungen Zuflucht. DieAllegorie sollte die tiefe Kluft zwischen dem vernünftigen Gottesbewußt-sein und dem unvernünftigen, wie es der Koran lehrt, ausfüllen.Die denkgläubige mutazilitische Theologie der Mohammedaner, obwohlauch Anfangs verketzert, errang sich nach und nach die Herrschaft; dieSchulen von Bagdad und Baßra erklangen von ihren Lehren. DerChalife Almamun erhob sie zur Hoftheologie und verdammte die alte,naive Religionsanschauung.

Die Anhänger der Orthodoxie waren aber ob dieser Freiheit derDeutung entsetzt, weil der Buchstabe des Koran unter der Hand in denentgegengesetzten Sinn umgewandelt wurde, und der naive Glaubeallen Halt verlor. Sie hielten daher streng an den Buchstaben undan dem natürlichen Schriftsinne fest und verwarfen die Allegorie alsKetzerei. Einige von ihnen gingen aber noch weiter. Sie nahmensämmtliche im Koran oder in der Ueberlieferung gebrauchten Aus-drücke von Gott, so grobsinnlich sie auch klangen, im buchstäblichen

Sinne und stellten eine ganz unwürdige Gotteslehre auf. WennMohammed eine Offenbarung mitgetheilt hat:Mein Herr kam mirentgegen, reichte mir die Hand zum Gruße, sah mir ins Gesicht, legte

seine Hand zwischen meine Schultern, so daß ich die Kälte seiner

Fingerspitzen empfand", so nahm die orthodoxe Schule (Llnoekabbiba,wuAassiwab) dieses Alles in empörender Buchstäblichkeit hin. DieseSchule lAnthropomorphisten) nahm keinen Anstand es auszusprechen:Gott sei ein Körper mit Theilen und habe eine Gestalt; er sei siebenSpannen lang, nach seiner eigenen Spanne gemessen. Er befinde sichan einem besonderen Orte, auf seinem Throne. Mau dürfe von ihmaussagen, daß er sich bewege, hinauf und hinabsteige, ruhe und ver-weile. Dergleichen und noch mehr lästerliche Beschreibungen grob-sinnlicher Art') gaben die rechtgläubigen moslemitischen Religionslehrervon dem höchsten Wesen, um ihr Festhalten au dem Buchstaben desKoran gegenüber den Denkgläubigen zu bekunden.

Die Juden des Morgenlandes lebten in zu innigem Verkehr mitden Muselmännern, als daß sie von diesen Richtungen unberührt

') Vergl. Schahrastani nach Haarbrücker's Uebersetzung I. 115 f., 213, 214und Frankel, Monatsschrift Jahrg. 1859 S. 115 f.