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5 (1895) Geschichte der Juden vom Abschluß des Talmuds (500) bis zum Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027)
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Ansiedelung der Juden in Deutschland.

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hatte, so war er doch in die diplomatischen Geheimnisse Karls ein-geweiht. Als daher die beiden Hauptgesandten auf der Reise gestorbenwaren, war er allein im Besitz des Antwortschreibens und der reichenGeschenke von Seiten des Chalifen, und der Kaiser empfing ihn inAachen in feierlicher Audienz *). Der Kaiser soll auch durch die Ge-sandtschaft den Chalifen gebeten haben, einen gelehrten Juden ausBabylonien für seine Lande zuzuschicken, und Harun soll ihm einenR' Machir zugesandt haben"), den Karl der jüdischen Gemeinde zuNarbonne vorgesetzt habe. Machir, der der Stammvater gelehrterNachkommen wurde, wie Kalonymos aus Lucca, gründete in Narbonneeine talmudische Hochschule.

In Folge ihrer günstigen Stellung in dem deutsch-fränkischenReiche, wo sie Aecker besitzen, Gewerbe und Schifffahrt betreibendurften und weder vom Pöbel, noch von den wahrhaft frommen deutschenGeistlichen geplagt wurden, konnten sich die Juden ihrem Wander-trieb überlassen und sich in vielen Gauen Deutschlands ausbreiten.Zahlreich wohnten sie im neunten Jahrhundert in den Städten Magde-burg, Merseburg und Regensburg ^). Bon da aus drangen sie immerweiter bis in die von Slaven bewohnten Länderstriche jenseit derOder bis nach Böhmen und Polen. Indessen bei aller Gunst,die ihnen Karl zuwandte, fiel es ihm, wie, auch den besten Männerndes Mittelalters schwer, sie als vollständig ebenbürtig mit den Christenzu behandeln. Die Kluft, welche die Kirchenväter zwischen dem Christen-thum und Judenthum aufgeführt haben und die von einzelnen Geist-lichen und Synoden erweitert worden, war zu tief, als daß sie einder Kirche treu ergebener Kaiser hätte überspringen können. AuchKarl hielt in einem Punkte den Unterschied zwischen Juden undChristen aufrecht und machte ihn dauernd durch eine Eidesformalität,welche den Juden auferlegt werden sollte, wenn sie gegen einenChristen zu zeugen oder zu klagen hatten. Bei einem Eide gegeneinen Christen mußte der Jude sich mit Sauerampfer oder Dornenumgeben, in der Rechten die Thora halten und Naamans Aussatzund die Strafe der Rotte Kora's auf sich zum Zeugnisse der WahrheitHerabrufen. Falls kein hebräisches Thora-Exemplar vorhanden ist,sollte eine lateinische Bibel genügen^). Man darf aber nicht ver-

') UAÜibaräi Lunalss in Pertz' rnonurusuta. 6-srw.nnis.s I. p. 190, 353.

2) 2asuto äooliasiu. UilixorvsIU S. 84.

Der Kürze wegen oergl. über die Quellen Ersch und Gruber Sect. 2.B. XXVII. S. 64 f. Stobbe, die Juden in Deutschland während des Mittel-alters.

4) Bei Pertz moiiurnsrita, IsZss I. 194. Stobbe S. 262 Note 144. lieberdie Formalitäten bei Eiden in der gaonäischen Zeit vergl. Usspsii. O-noniniLcbaars Xsäslr 76, Xo. 22.