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Geschichte der Juden.
Geburt in den deutschen Gauen ansässig gewesen. Die WormserGemeinde wollte bereits zur Zeit Esra's von Jerusalem ein Send-schreiben erhalten haben, sich an den Hauptfesten in dem Tempel ein-zustellen, sie habe aber darauf erwidert, daß sie sich am Rhein einNeu-Jerusalem gegründet und von dem alten, als ohnehin allerGnadenmittel entbehrend, nichts wissen wolle*). Um sich recht augen-fällig von der Mitschuld an Jesu Kreuzestod zu reinigen, schmiedeteman einen Brief aus jener Zeit, welcher an die Wormser oder Ulmeroder Regensburger Gemeinde gerichtet worden sei, um sie von denVorgängen bei Jesu Auftreten in Kenntniß zu setzen ^). War eineNothlüge je gestattet, so war es diese, weil sie eine lügenhafte, ver-kehrte, hohnsprechende Anschuldigung entkräften und den Tod vontausend Unschuldigen abwenden wollte. Nicht viel glaubwürdigerklingt das Zeugniß, welches das Vorhandensein einer jüdischen Ge-meinde in Worms im ersten christlichen Jahrhundert aus untergegangenenLeichensteinen verbürgen will^j. Sichere Zeugnisse über das Vor-handensein von Juden in der von Römern gegründeten agrippinischenKolonie (Köln am Rhein) datiren erst aus dem vierten Jahrhundert^).Ob sich aber die Juden daselbst in den wilden Stürmen der Völker-wanderung behauptet haben, ist sehr fraglich. Sicherlich sind diedeutschen Gemeinden nur als Kolonien der französischen zu betrachten,mit denen sie in dem den merovingischen Königen unterworfenenAustrasieu gleiches Geschick getheilt haben. Auch die Juden Englandssind französischen Ursprungs und wanderten wohl erst im siebentenJahrhundert dahin ^). Eine regelmäßige Gemeindeverfassung habendie deutschen Juden sicherlich erst durch die aus Lucca verpflanzteKolonie der Familie Kalonymos erhalten.
Weltgeschichtlich bekannt ist die Gesandtschaft Karls an denmächtigen Chalifen Harun Arraschid, der ein Jude mit Namen Isaakbeigegeben war (797). Obwohl Isaak Anfangs neben den EdelleutenLandfried und Sigismund wohl nur die Rolle eines Dolmetschers
*) Naasris Uissini-Luoll.
2 ) i^ber die Quelle, wo dergleichen Briefe mitgetheilt werden, vergl.I'abrioins Ooäsx ^.povr^plrus novi tsstaursnti 1. III. p. 493 f.
Lewysohn, Epitaphien des Wormser Friedhofes S 3. Das älteste dervorhandenen Graboenkmäler von Worms stammt aus dem Jahre 1070, das.S. 87. Das Datum 900 auf einem Leichenstein beruht auf einer falschen Les-art, wie Rapaport im Vorworte zu den Epitaphien der Prager Gemeinde Oal.Lck nachgewiesen. Eben so uuerwiesen ist, daß ein Leichenstein des PragerFriedhofes das Datum 780 trägt. Rapaport a. a. O.
Ooäsx DllsoäoÄanuo I,. XVI. D. 8, ß 21. S. 0. IV. S. 333 Anmerk.
-°) Eduard Gans in Zunz' Zeitschrift S. 108.