Die Chazaren.
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Volksstamm, verwandt mit den Bulgaren, Avaren, Ugnren oder Ungaren,hatten sich nach der Auflösung des Hunnenreiches an der Grenzscheidevon Asien und Europa niedergelassen. Sie hatten ein Reich an derMündung der Wolga (von ihnen Jtil oder Atel genannt) an demKaspi-See gegründet, wo jetzt Kalmücken Hausen, in der Nähe vonAstrachan. Der Kaspi-See führte von ihnen den Namen das CH azaren-meer. Ihre Könige mir dem Titel Chakane, Chagane, führten diekriegerischen Söhne der Steppe von Sieg zu Sieg. Den Persern hatten dieChazaren so großen Schrecken eingeflößt, daß einer ihrer Könige, Chosru,sein Reich vor deren ungestümen Einfällen nur durch eine feste Mauerschützen konnte, welche die Pässe zwischen dem Kaukasus und dem Meereverrammelte. Aber diese „Pforte der Pforten" (Und ul abvvud unweitDerbend) war nicht lange eine Schranke für den Kriegsmuth derChazaren. Nach dem Untergang des persischen Reiches überstiegensie den Kaukasus, machten Einfälle in Armenien und eroberten dieKrimm-Halbinsel, welche davon eine Zeit lang Chazarien hieß.Die byzantinischen Kaiser zitterten vor den Chazaren, schmeicheltenihnen und zahlten ihnen Tribut, um deren Gelüste nach der Beutevon Constantinopel zu beschwichtigen. Die Bulgaren und andereVölkerschaften waren Vasallen der Chazaren, die Kiewer (Russen) amDniepr mußten den Chaganen jährlich ein Schwert und ein feinesPelzwerk von jedem Rauchfang liefern. Mit den Arabern, derenGrenznachbarn sie allmälig wurden, führten sie blutige Kriege.
Neben den Kriegern gab es unter den Chazaren auch Ackerbauerund Hirten. Ihre Lebensweise war einfach; sie nährten sich vonReis und Fischen und wohnten in Zelten. Nur der Chagan hatteeinen Palast an der Wolga. Die Macht desselben über sein Volkwar unbeschränkt, weil er wie der Dalai-Lama abgöttisch verehrtwurde. Verhängte er Todesstrafe über einen seiner Unterthanen, sonahm dieser sich in tiefem Gehorsam selbst das Leben. Damit diegeheiligte Person des Chagan's nicht fortwährend in Berührung mitden Staatsangelegenheiten kommen sollte, hatte er einen Stellvertreteroder Unterkönig, der den Titel Peg oder Peh führte. Nach undnach kam es dahin, daß der Peg der eigentliche Regent des Chazaren-
reich und dessen jüdisches Bekenntniß in ein Helles Licht gesetzt und die Nach-richten der jüdischen Quellen darüber bestätigt. Die beiden Briefe an denChazarenkönig und von ihm sind als geschichtlich in allen Partien anerkannt vonReinaud (^.lmltsäa, iribroäuvbiou x. 299) und von Vivisn äs 8b. Lla-ibiu,Iss UlisLais (rasvaoirs In ü l'ueuäsvats äss insoripbioLS sb äss dsllsslsbbrss. Uuris 1851). Vergl. noch Neumann, die südrussischen Völker;Oarraolz', Ibiusruirss äs lu bsrrs ssäuts. Uruxsllss 1847, äss Uro^ursx. 1 — 104.
Graetz, Geschichte der Juden. V.
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