Druckschrift 
5 (1895) Geschichte der Juden vom Abschluß des Talmuds (500) bis zum Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027)
Entstehung
Seite
176
Einzelbild herunterladen
 

176

Geschichte der Juden.

ein. Bis dahin konnte eine Schuld, sei es von Seiten der Gläubiger,sei es von Seiten einer Wittwe für ihre Ehepakten, von den Erbennicht eingefordert werden. Nur im Falle der Erblasser seinen ErbenLiegenschaften hinterlassen hatte, konnten sich die Gläubiger oder dieWittwe daran halten. Die beiden Präsidenten der Hochschulen ver-ordneten aber, daß die Erben auch mit der beweglichen Erbschaft diehinterlassenen Schulden des Erblassers tilgen müssen. Diese Verord-nung (vom Jahre 787) wurde mit dem Jnsiegel des Exilarchen undder Gaonen versehen, sämmtlichen jüdischen Gemeinden des Morgen-landes zugestellt, mit dem Bedeuten, daß der Richter, der ihr zuwider-handeln sollte, seine Amtsentsetzung zu gewärtigen habe*). Es scheint,daß diese Verordnung aus einem Zeitbedürfnisse in Folge der Besitz-veränderungen der Juden im Chalifat hervorgegangen ist. Bis dahinBodenbesitzer, Ackerbauer und Viehzüchter, haben sie sich seitdem mehrauf den Handel gelegt, den die bedeutende Ausdehnung des islami-tischen Reiches von Indien bis zu den Säulen des Herkules begünstigthat. Während früher ein Familienvater durchschnittlich den SeinigenGrundbesitz hinterließ, so vererbte er ihnen von Handel und Gewerbenur Kapitalien. Die Maßregel der beiden Gaonen wollte demnachauch bei verändertem Besitzstände den Schuldforderungen Sicherheitgewähren.

Ungefähr gleichzeitig mit. der Entstehung des Karäerthums fielein Ereigniß vor, das zwar wenig in die Entwickelung der jüdischenGeschichte eingegriffen hat, aber das Selbstbewußtsein der Zerstreuten hobund ihren Muth aufgerichtet hat. Der heidnische König eines im Nordenhausenden barbarischen Volkes nahm zugleich mit seinem Hofe dasJudenthum an. Die Chazaren oder Kozaren^), ein finnischer

>) Scherira Sendschreiben S. 39. Ibbur. Vsnst. x. 20a. 77ä. Vergl.Frankel's Monatsschrift Jahrg. 1857, S. 339 Das genaue Datum dafür giebtIsaak b. Rsubsn Albargeloni an (Lollaars Lostsbuob gegen Ende): im seleu-cidischen Jahre 1098 787.

2) Die arabischen Schriftsteller nennen sie mn (Olla^ar), der russiche An-nalist Nestor stets Oo^arl. Die jüdischen Schriftsteller dagegen, um nicht anmm zu erinnern, orthographiren bald mir bald 112 . Das Factum von derBekehrung der Chazaren zum Judenthum, das man früher als Fabel be-handelt und noch vor drei Dezennien nur halbgläubig angenommen hat, wurdein jüngster Zeit durch arabische Quellen von vielen Seiten bestätigt gefunden.Ousley, der Herausgeber des Jbn-Haukal oder richtiger des Jstakhri; Frähn,der Kommentator des Jbn-Foßlan äs OstuMZa, (msvaotrs äs l'aoaäsinisirnxsrials äss seisnoss äs NsbsrsbourA 1822 D. VIII.) ä'Hosscm, xsuxlssäu Oaueass, Outrsmsr^ (llournul asiat. 1849, x. 470 f.j und blss-ssskRiääaollim x. 117 haben die 'Nachrichten der arabischen Schriftsteller Jbn-Foßlan, Jstakhri, Maßudi, Jbn-Alathir und Dimeschki über das Chazaren-