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5 (1895) Geschichte der Juden vom Abschluß des Talmuds (500) bis zum Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027)
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Geschichte der Juden.

die Talmudisten sie Jahrhunderte lang gehalten. Jeder Stimmführereiner Sekte mußte den Inhalt und Wortlaut der Bibel stets bei derHand haben, um sie als Waffe und Schild gegen die Gegner zu ge-brauchen. Die Einführung der Vokal- und Accentzeichen zur Belebungdes Textes hatte die Vertiefung in die Bibel erleichtert. Um in denSinn der heiligen Schrift tiefer einzudringen, mußte die Aufmerk-samkeit auf die grammatischen Regeln, auf Form, Bildung undGefüge der heiligen Schrift gerichtet werden. Die Karäer waren es,welche die hebräische Grammatik zuerst angebaut haben. Es wurdeihren Bekenntnißgenoffen zur religiösen Pflicht gemacht, sich mit ihrenRegeln vertraut zu machen. Die eifrige Beschäftigung mit der Bibel-kunde lenkte auch im karäischen Kreise die Aufmerksamkeit auf dieBeschaffenheit des überlieferten heiligen Textes, die Richtigkeit desselbenzu prüfen und ihn vor Entstellungen zu sichern.

Dieser Zweig der Bibelkunde, der mit der Grammatik theilweisezusammenhängt, wurde Masora genannt, Ueberlieferung über jedenVers und fast über jedes Wort, über Schreib- und Leseweise desselben,über Regeln und Ausnahmen. Diese masoretische Sorgfalt kam aberviel zu spät. Unglückliche Zeiten und Gewissenlosigkeit hatten bereitsim Text arge Verwüstungen angerichtet, und die Masora konnte nurden Befund des Textes, wie er zur Zeit vorlag, bezeugen. In denblutigen Verfolgungen zur Zeit des Königs Antiochus und des KaisersHadrian hatten die Schergen neben den Leibern auch die Seele derJudenheit getroffen, sie hatten die heiligen Bücher zerrissen oder ver-brannt. Nach eingetretener Ruhe mußten neue Exemplare abgeschriebenwerden; aber es fand sich kein sorgfältig überwachtes Musterexemplar,nach welchem die Abschriften gemacht werden konnten. Die sorgfältigabgeschriebene, im Tempel aufbewahrte Musterschrift des Fünfbuchesder Thora, erbeutet und in strengem Gewahrsam in Rom unter dervon Titus entführten Beute gehalten, wurde in den Kämpfen derVölkerwanderung gegen Rom wiederum erbeutet, verschleppt und ist ver-schwunden. So wurden neue Abschriften aus schadhaften Vorlagenangefertigt. Den theilweise verderbten Text schädigten gewissenloseAbschreiber noch mehr durch Unachtsamkeit. Man verwünschte zwardiese Schänder der Heiligthümer in die Hölle, weil sie gedankenlosFehler in den Text brachten, bald Verse oder Verstheile, Worte oderBuchstaben übersprangen, bald sie doppelt schrieben; aber diese nach-trägliche Verdammniß hat die Schäden nicht ausgebessert. Und durchwie viele Hände sind die biblischen Bücher in dem Zeitraum vontausend Jahren abgeschrieben worden? Zu den alten Fehlern kamenneue hinzu. Für sorgfältige, zuverlässige Abschriften wurde wenig