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5 (1895) Geschichte der Juden vom Abschluß des Talmuds (500) bis zum Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027)
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Das Karäerlhum.

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kann aber diese Lobeserhebung nicht unterschreiben, wenn es auch dieSpaltung des Jndenthums, die er hervorgernfen, ihm nicht zur Lastlegen will, da die Entfaltung der jüdischen Lehre erst dadurch ermöglichtwurde. Die Geschichte vermag seine Geistesgröße nicht anzuerkennen.Anan war kein tiefdenkender Kopf. Der philosophischen Erkenntnißwar er vollständig bar. Er hatte noch einen so niedrigen Begriffvon der Seele, daß er im peinlichsten Festhalten an dem Buchstabender Bibel ihr das Blut als Sitz angewiesen hat^). Aber auch inseiner Opposition gegen das talmudische Judenthum war er incousequent.Er ließ nicht wenige Ritualien als verbindlich bestehen, die ebenso wenig wie die von ihm verworfenen Satzungen auf biblischen Ur-sprung zurückgeführt werden können, wie das vorschriftsmäßigeSchlachten. Hatte er demnach dem, was im Volksbewußtsein alsheilig galt, Rechnung getragen, so war seine ganze Neuerungunberechtigt.

Nach Anau's Tode übertrug die karäische Gemeinde seinem SohnSaul die Führerschaft. Das') gegentalmudische Religionsgebäude, dasAnan aufgeführt hatte, wurde indes nach seinem Tode erschüttert. Erhatte die freie Forschung aus dem Schriftwort an die Spitze gestellt,daß nur das Schriftgemäße religiöse Giltigkeit haben sollte. Aberdas Schriftwort ist deutbar. Seine Jünger, welche von der Aus-legungsfreihcit Gebrauch gemacht haben, fanden schon, daß ihr Meisternicht unfehlbar war und verwarfen manche von ihm abgeleiteten religions-gesetzlichen Bestimmungen. So löblich es auch ist, dem Geist nichtdurch den Autoritätsglauben Fesseln anzulegen und sich beim Her-gebrachten zu beruhigen, so kann es doch für eine Religionsgemein-schaft von schädlicher Wirkung sein, wenn es jedem Einzelnen gestattetsein soll, vermittelst einer abweichenden Wortdeutung gleichviel obrichtig oder erträumt an dem Bestehenden zu rütteln. Die Karäerachteten aber nicht auf die auflösende Wirkung ihres Prinzips, lockertendas einheitliche Band ihres Zusammenhangs und geriethen in Zer-splitterung. Je mehr sich das Karäerthum von Palästina aus überdie Länder des Chalifats ausbreitete, desto mehr zerfiel sein Zusammen-hang in lauter winzige Sekten und gab ihren Gegnern, den Rabbaniten,Recht, zu behaupten, daß ohne Ueberlieferung von Geschlecht zu Ge-schlecht und ohne Autorität eine Religion keine Sicherheit habe.

Indessen hatte diese Sektirerei eine Lichtseite; sie setzte die heiligeSchrift wieder in ihr Recht ein und löste sie von dem Banne, in dem

') Vergl. Saadia Druunot VI 1.

H Aus der Volksth. Geschichte B. II.