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5 (1895) Geschichte der Juden vom Abschluß des Talmuds (500) bis zum Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027)
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170 Geschichte der Juden. -

dort der heilige Tag entweiht wurde Z. Die Rabbaniten nannten dieKartier Ketzer (Minim, Apikorsim), predigten gegen sie von den Kanzelnherab, namentlich gegen das Sitzen im Dunkeln am Sabbatabend ^)und ließen die Anhänger Anau's nicht zum Gebete zu. Die Karäerihrerseits hatten nicht Schmähungen genug gegen die beiden Hoch-schulen und ihre Vertreter. Sie wendeten auf sie das Gleichniß desPropheten Zachariä an, von den zwei Weibern, welche die Sünde ineinem Scheffel nach Babylon tragen und ihr dort eine Stättegründen 2).Die beiden Weiber, das sind die beiden Gaousitze inSura und Anbar (Pumbadita)." Dieser Spott, der von Anan aus-gegangen sein mag, blieb stehend bei den Karäern, und die beidenHochschulen wurden von ihnen nicht anders genannt, alsdie zweiWeiber" ^).

So war denn der jüdische Stamm zum dritten Male in zweifeindliche Lager gespalten. Wie im ersten Zeiträume Israel undJuda, und wie während des zweiten Tempels Pharisäer und Sadduzäer,so standen sich jetzt Rabbaniten und Karäer feindlich gegenüber.Jerusalem, die heilige Mutter, die schon so viele Kämpfe ihrer Söhneunter einander erlebt hat, wurde wiederum der Schauplatz einesbruderfeindlichen Kampfes. Die karäische Gemeinde, die sich von demGesammtverbande losgesagt hatte, erkannte Anan als den berechtigtenExilsfürsten an und legte ihm und seinen Nachkommen diesen Ehrentitelbei. Beide Parteien bemühten sich, die Kluft so viel als möglich zuerweitern.

Wie lange Anan seiner Gemeinde Vorstand, ist nicht bekanntgeworden. Nach seinem Tode zeigten seine Anhänger so viel Ver-ehrung für ihn, daß sie eine Todtenfeier in den Sabbatgottesdienstfür ihn einführten. Sie beteten für ihn:Gott möge sich des FürstenAnan, des Gottesmannes erbarmen, der den Weg zur Thora gebahnt,die Augen der Karäer erleuchtet, viele von der Sünde zurückgebrachtund uns den rechten Weg gezeigt Hat. Gott möge ihm eine guteStätte anweisen neben den sieben Klassen, welche ins Paradies ein-gehen." Diese Gedenkformel für ihn ist bis auf den heutigenTag bei den Karäern stehend geblieben"). Das unparteiische Urtheil

*) Folgt auch aus dem Sendschreiben Abulsart Sahals, Menahem Giznrbei Pinsker das. S. 60, Jehuda Hadassi Lsolilrol Nr. 179, und Simcha LuzkiOrsaü 2sckilri.ro 19s,.

2) Vergl. Nsuoduros I7os.Ii Anfangs.

Zacharia S, 6 11.

Z Vergl. die Stellen in Note >2, Anmerkung 3.

5) Karäisches Gebetbuch.