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5 (1895) Geschichte der Juden vom Abschluß des Talmuds (500) bis zum Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027)
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Der Talmud.

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Segen brachte. Der Anstoß zu jener Bewegung, welche das jüdischeGemeinwesen in Ost und West in zwei Lager spaltete, hat seinenUrsprung im ersten gaonäischen Jahrhundert, obwohl der erste Ansatzdazu dem Auge des Forschers verhüllt ist. Dieser vermag nur dieZeitlage auseinander zu setzen und die Umstände, gewissermaßen denStand der Witterung, anzugeben, innerhalb welcher sich die geschicht-liche Neuge urt ins Leben gerungen. Der babylonische Talmud be-herrschte das jüdisch-babylonische Gemeinwesen, wie schon angegeben.Er >var nicht blos das Gesetzbuch, sondern auch die Grundverfassungfür die geschlossene Körperschaft, deren Würdenträger der Exilsfürstund die beiden Präsidenten der talmudischen Hochschulen waren. Durchdie Ausdehnung des Islam von Indien bis Spanien und vom Kau-kasus bis tief nach Afrika hinein erweiterte sich auch die Herrschaftdes Talmud über seine ursprüngliche Grenze hinaus, indem, wie schonerwähnt, die entferntesten Gemeinden mit dem Gaonat in Verkehrstanden, sich bei ihm Rath über religiöse, sittliche und civilrechtlicheFragen holten und die Entscheidungen, welche auf Grund des Talmudgegeben wurden, gläubig annahmen. Die babylonischen Gemeindenfühlten sich von den talmudischen Satzungen nicht beengt, weil- sieFleisch von ihrem Fleische waren und aus ihrer Mitte, aus ihrenAnschauungen, Sitten, Gewohnheiten und von ihren Autoritäten hervor-gegangen waren.» Die afrikanischen und europäischen Gemeinden warenzu ungebildet in Bibel und Talmud, als daß sie ein Urtheil darüberhätten haben sollen. Sie nahmen die Bescheide der Gaonen als un-verbrüchliche Norm hin, ohne sich viel darum zu kümmern, ob sie mitder Bibel übereinstimmten oder ihr widersprachen.

Ganz anders war es mit den aus Arabien in Palästina, Syrienund Irak angesiedelten arabischen Juden, den Benu-Kainukaa, denBenu-Nadhir und den Chaibariten. Es waren Söhne der Wüste,Männer des Schwertes, Krieger und Ritter, welche von Hause ausan Freiheit des Lebens und an Kraftentwickelung gewöhnt waren undgeselligen Umgang mit ihren ehemaligen arabischen Bundes- und Kampf-genossen pflogen, unter denen sie nach der Eroberung Persiens undSyriens wieder angesiedelt waren. Das Judenthum war zwar auchihnen theuer, sie hatten dafür Freiheit, Gut, Vaterland, Ruhm geopfertund Mohammed's Zumuthung widerstanden, ohne sich zum Islam zubekennen. Allein zwischen dem Judenthume, das sie in Arabien geübthatten, und dem, wie es der Talmud lehrte und die Hochschulen alsbindende Norm aufstellten, war eine Kluft. Sie mußten nach talmu-discher Vorschrift der fröhlichen Geselligkeit mit ihren ehemaligen Ge-nossen entsagen, durften nicht an ihren Weingelagen welche die