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5 (1895) Geschichte der Juden vom Abschluß des Talmuds (500) bis zum Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027)
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Geschichte der Juden.

wiesen sie ab. Kaliri wurde als der Hauptschöpfer der poetanischenLiteratur gefeiert, und die Sage verherrlichte seinen Namen. Manerzählte von ihm, er habe seine poetische Begabung durch magischeMittel erlangt. Als Kind habe er Kuchen, mit Buchstaben vonPsalmenversen versehen, genossen (Kilurah), davon habe er den Sänger-geist und seinen Namen Kalir empfangen. Weiter erzählt die Sage,sein Lehrer Jannai habe ihn beneidet, weil er sich durch dessen Ruhmes-glanz verdunkelt fühlte, und ihm eine giftige Eidechse in den Schuhgelegt, woran Kaliri gestorben sei. Eine seiner Dichtungen, welche erbeim Tode unvollendet gelassen, soll sein Bruder Juda durch einigeVerse, welche das Akrostichon seines Namens tragen, ergänzt haben.Außer Jannai und Kaliri klingen nur noch zwei*) Namen aus derJugendzeit der neuhebräischen poetanischen Literatur herüber: Joch ananHakkohen, wahrscheinlich ein Palästinenser, und David b. Huna,sicherlich ein Babylonier. Von beiden haben sich nur noch einigeUeberbleibsel erhalten "). Die Aufnahme der poetanischen Dichtungenin die Liturgie gab dieser einen veränderten Charakter. Die Ueber-setzung der vorgelesenen Abschnitte und die agadischen Vorträge, welcheohnehin, weil die Juden im islamitischen Reiche arabisch sprachen, demVolke fremd geworden waren, verschwanden allmälig aus dem Gottes-dienste, und ihre Stelle nahmen die dichterischen Stücke (kijntim) ein,da sie doch denselben Dienst leisteten und einen poetischen Anstrichhatten. Der Gottesdienst erhielt dadurch eine größere Ausdehnung.Der Vorbeter verdrängte den agadischen Prediger. Der Gesang wurdein die Synagoge eingeführt, da die dichterischen Gebetstücke nicht recitirt,sondern gesungen wurden (Obasunut). Gewisse GesangsweisenUaobn) wurden für dieses und jenes Stück stehender Gebrauch. Indessennahmen nicht alle Gemeinden die poetanischen Bestandtheile in denGottesdienst auf. Die talmudischen Autoritäten sträubten sich anfangsdagegen, weil jene hauptsächlich in die Fugen des Hauptgebetes ein-geschaltet zu werden pflegten und also die Aufeinanderfolge und denZusammenhang der einzelnen Theile störten.

Die Rückkehr zum Urquell der Bibel hatte in Dichtergemütherndie Flamme der Poesie entzündet, aber zugleich auch ein wildes Feuerangefacht, das anfangs Trübung, Spaltung und Fluch in seinemGefolge hatte, dann aber dem Judenthume Läuterung, Kräftigung und

U Rach hinterlassenen Notizen sind noch die Namen zweier poetanischenDichter hier hinzuzufügen: R. Pinchas und R. Jehoschua (Einleitung zuSaadia's Agron, Zeitschrift kür die alttestamentliche Wissenschaft II. S. 8384)Geigers Zeitschrift X. S. 303.

2) Frankels Monatsschrift, Jahrg. t859, S. 437 f.