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Geschichte der Juden.
Araber trotz des Verbotes im Koran sehr liebten — Theil nehmen,kurz, sie fühlten sich durch den Talmud beengt.
Die Inden aus Arabien hatten auch am meisten Berührungenmit den Mohammedanern, waren daher auch öfter in die Polemikverwickelt, ob das Judenthum noch fortdauernd Gültigkeit habe, oderob es durch den Islam aufgehoben sei, und mußten, um den Gegnerndie Antwort nicht schuldig zu bleiben, sich in der Bibel umsehen. Damag es ihnen einleuchtend geworden sein, daß Manches, was vomTalmud und den Hochschulen als religiöse Vorschrift ausgegebenwurde, in der Bibel nicht vorkomme. Um die Nothwendigkeit dertalmudischen Satzungen für die Erhaltung des Judenthums zu be-greifen, dazu bedurfte es einer tieferen Einsicht, als sie die Judenmit arabischen Anschauungen hatten. Aus welchen Veranlassungenauch immer eine Abneigung gegen die talmudischen Vorschriften ent-standen sein mag, sicher ist es, daß sie zuerst im Schooße der jüdisch-arabischen Kolonie in Syrien oder Irak ihre Anfänge hatte; von daaus mag sie sich anderen Kreisen mitgetheilt haben. Eine vollständigbeurkundete Quelle erzählt, daß im Anfänge des achten Jahrhundertsviele Juden in Syrien sich leicht gewinnen ließen, das talmudischeJudentum aufzugeben, und sich nur an die biblischen Vorschriften zuhalten.
Der Tonangeber, der sie dazu verleitete, war ein Mann ausSyrien mit Namen Serenest (Serenus), der sich als Messias aus-gab (um 720). Er versprach den Juden das heilige Land wiederzu-geben und natürlich vorher die Mohammedaner daraus zu vertreiben.Veranlassung zu dem Versuche, die längst entbehrte Selbstständigkeitwiederzuerlangen, mag der fanatische Chalife Omar II. (717 — 720)gegeben haben. Dieser bigotte Fürst, durch die Jntriguen eines eifrigenKoranlesers auf den Thron erhoben, setzte die beschränkenden Gesetzeseines Vorgängers Omar I., den Omarbund (o. S. 111), welche unterden staatsklugen Omejjaden in Vergessenheit gerathen waren, wiederin Kraft. Nach seinem Regierungsantritt schrieb er au die Statthalter:„Reißet keine Kirche und keine Synagoge ein, aber gestattet nicht, daßneue auf eurem Gebiete erbaut werden" st. Omar II. legte sich aufProselytenmacherei, verhieß den Neubekehrten gewinnende Begünstigungenund zwang auch geradezu die Christen st und wohl auch die Judenzur Annahme des Islam. Aus diesem Grunde mögen die Juden
st Bergt. Note 14.
st Weil, Chalifen I., 583.
st) Theophanes Chronographia I., 614.