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5 (1895) Geschichte der Juden vom Abschluß des Talmuds (500) bis zum Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027)
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Zunehmende Cultur unter den Juden. 145

machen, um in Streitfragen zwischen ihnen und den Mohammedanernnicht beschämt dazustehen. Die Anhänger des Koran pflegten nämlichden Juden gegenüber zu behaupten, in der Thora seien Mohammedund seine Offenbarung angedeutet. Namentlich beriefen sie sich aufden VersZ:Der Herr kam vom Sinai, erschien vom Berge Se'irund offenbarte sich auf dem Berge Paran." In dem ersten Theilesoll die sinaitische Offenbarung, in dem mittleren Satz die Verkündigungdes Evangeliums und in dem letzten die Offenbarung des Islamliegen; diese habe die vorangegangenen Offenbarungen aufgehoben^).Die Juden mußten sich, nm solche widersinnige Behauptungen zu wider-legen, tiefere Kenntniß der heiligen Sprache und ihrer Literatur aneignen.Waren die Begabten unter ihnen bis dahin nur auf den Talmud unddie agadische Auslegung angewiesen, so führte sie das Bedürfniß zurUrquelle der Bibel zurück. Diese Rückkehr zu den heiligen Urkundenmuß bereits im ersten gaonäischen Jahrhundert stattgefunden haben;denn in der darauf folgenden Zeit zeigte sich bereits eine solche allgemeineund innige Vertrautheit mit denselben, daß man leicht daraus folgernkann, der Grund dazu sei vorher gelegt worden. Die Erfindung derVokalzeichen für den Text kam zustatten, sie erleichterte die Beschäftigungmit der heiligen Schrift. Die heilige Sprache konnte erst dadurch ihreAuferstehung feiern, sie war nicht mehr ein todtes Idiom für dieGelehrten, sondern konnte ein Bildungsmittel fürs Volk werden. DieLesezeichen lichteten die Scheidewand zwischen den Kundigen (Olmelmw)und den Laien (^m ba-L. 162 ) mehr und mehr.

Die nächste Folge der Berührung mit den begeisterten Arabernund der Vertiefung in die heiligen Urkunden war die Geburt einerneuhebräischen Poesie. Dichterische Gemüther mußten sich angeregtfühlen, den hebräischen Sprachschatz ebenso wie die Araber den ihrigen,in gebundener Rede, in gemessenen Versen anzuwenden. Aber während diearabischen Dichter das Schwert, das Ritterthum, die zügellose Liebebesangen, über den Verlust vergänglicher Güter klagten, und Gegner,die sie mit dem Schwerte nicht erreichen konnten, mit den Waffen derSatyre verwundeten, kannte die neuerwachte hebräische Poesie nur eineneinzigen Gegenstand würdig der Begeisterung und Anbetung: Gottund sein Walten, und nur einen einzigen Gegenstand würdig derKlage: die Verlassenheit der jüdischen Nation und ihr Leiden.Die neugeborene hebräische Dichtkunst, so sehr sie auch von der biblischen

i) Osutsrouomium 33, 2.

-) Vergl. LollarLstaui Sektengeschichte Text. durston S. 165 f. undHaarbrücker's Uebersetzung I. S. 251; Las-äis. Umuusch III. 8, LtHmuuiIZZers. ^.rast. 124 ä.

G ra etz, Geschichte der Juden. V.

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