140 Geschichte der Juden.
christliche Sklaven zu halten, was ihnen unter Erwig untersagt war.Zum Schein bekräftigten sie durch einen Eidschwur, der Kirche anhänglichzu sein; aber im Herzen blieben sie nichtsdestoweniger dem Judenthumtreu. Da nun Egica einsah, daß er mit seiner Milde nicht weiterkam, verfiel auch er auf Strenge. Er verjagte zwar die Juden nichtaus dem Lande, aber er that ihnen noch Schlimmeres: er beschränktesie in ihrem Erwerbe. Er verbot den Juden und den judaisirendenChristen den Besitz von Ländereien und Häusern, ferner die Schifffahrtund den Handel nach Afrika und Geschäftsbetrieb mit Christen über-haupt. Alle ihre unbeweglichen Güter mußten sie an den Fiscusabgeben, und sie wurden dafür — wohl nicht sehr gerecht — ent-schädigt. Nur die aufrichtig Bekehrten sollten von dieser Beschränkungbefreit sein und auch nicht die Judensteuer zu zahlen brauchen; aberden Ausfall für dieselben sollten die übrigen Glieder zu decken gebundensein. Dieses höchst beschränkende Gesetz ließ Egica ebenfalls durch dieKirchenversammluug bestätigen(693). Erwig's guälerische Gesetze wurdenzwar durch Egica aufgehoben, aber dafür wieder durch Receswinth'sEdikte und das neue Gesetz vermehrt.
Durch dieses neue Gesetz, das nicht umgangen werden konnte, dadie Einziehung ihrer unbeweglichen Güter tatsächlich ausgeführt wurde,waren die Juden zur Verzweiflung getrieben; sie machten daher einengefährlichen Versuch, sich gegen ihre unerbittlichen Feinde zu verschwören.Sie knüpften Verbindung mit ihren glücklicheren Brüdern in Afrikaan und beabsichtigten, wahrscheinlich mit Hilfe der kühn vordringendenMohammedaner und unzufriedenen Großen im Lande, das westgothischeReich zu stürzen <694). Leicht hätte der Versuch gelingen können, da derStaat durch Zwietracht, unnatürliche Laster und Schwäche in einemhohen Grade in Verfall und Auflösung begriffen war. Aber dieVerschwörung der Juden wurde vor der Zeit verrathen, und dieschwerste Strafe traf nicht nur die Schuldigen, sondern sämmtlichejüdische Bewohner Spaniens. Der König Egica legte der eigens dazuzusammenberufenen Kirchenversammlung von Toledo die Beweise vonder Verschwörung vor und knüpfte daran einen Gesetzesvorschlag, daßsämmtliche Juden der Leibeigenschaft verfallen sollten. Das Concil,nicht minder entrüstet über die Verwegenheit der Juden, genehmigteEgica's Dekret (November 694): „Weil die Juden nicht bloß gegenihr Versprechen das Glaubensgewand, welches ihnen die Mutter-Kirchedurch das Bad der Taufe angelegt durch die Beobachtung ihrer Ritenbefleckt, sondern auch die Macht des Reiches durch Verschwörung ansich zu reißen getrachtet haben." In Folge dessen wurden sämmtlicheJuden Spaniens und der gallischen Provinz als Sklaven erklärt,