132 Geschichte der Juden.
Sie fuhren fort, in ihren Häusern die jüdischen Feste zu feiern unddie von der Kirche vorgeschriebenen Feiertage zu mißachten. Demwollten aber die Vertreter der Kirche eutgegenarbeiten und erließeneine Verordnung, welche die Unglücklichen ihrer Häuslichkeit beraubensollte. Sie mußten die jüdischen und christlichen Festeszeiten unterden Augen der Geistlichen zubringen, damit sie gezwungen seien, jenezu verletzen und diese zu feiern (655). Die Uebertreter sollten jenach dem Alter durch schwere Buße oder Geißelhiebe bestraft werden Z.Während die getauften Juden solchergestalt durch ausgesuchte Maß-regeln gepeinigt wurden, waren die Juden unter Receswinth un-angefochten. Selbst das Recht, schriftliche Sklaven für ihr Haus undFeld zu besitzen, war ihnen tatsächlich eingeräumt. Hohe und niedereGeistliche selbst verkauften ihnen, ohne Rücksicht auf die Kirchengesetze,christliche Leibeigene. Der König brachte diese von Geistlichen selbstausgegangene Uebertretung der kanonischen Edikte auf einer Kirchen-versammlung (der zehnten) zu Toledo zur Sprache, erinnerte die Mit-glieder an die alten Gesetze und beschwor sie, ihnen Geltung zu ver- ,schaffen. Die Kirchenversammlung verhängte in Folge dessen über diechristlichen Sclavenverkäufer den Bann und verdammte sie zur ewigenHöllenstrafe (656^), ohne dadurch eine größere Wirkung hervorzu-bringen.
Als Receswinth nach langer Regierung starb (672), mögen die . ,vielfach durch ihn geplagten getauften Juden Freude empfunden haben,ohne sich jedoch der Hoffnung hinzugeben, daß es ihnen unter seinemNachfolger Wamba, dem die Großen des Reiches mit dem Schwertein der Hand die Krone aufgezwungen hatten, besser gehen würde. >Die feindlichen Gesetze gegen sie bestanden zu Rechte, die höhere Geist-lichkeit überwachte deren Ausführung, und sie mußten ihr Leben unterlauter Zwang und Heuchelei zubringeu. Um sich von diesem Druckezu befreien, betheiligten sie sich an einem Aufstande gegen Wamba.
Graf Hilderich, Statthalter der zu Spanien gehörenden Provinz Septi-manien versagte nämlich dem neugewählten König seine Anerkennung und > >pflanzte die Fahne des Aufstandes auf. Er versprach, um sich Ver-bündete mit Schätzen zu "erwerben, den getauften Juden sichere Zufluchtund Religionsfreiheit in seiner Provinz, und sie folgten der Ein-ladung und wanderten aus^). Der Aufstand Hilderichs von Nismes
') Oouoiliuiu tolstauura IX. oanon 27 bei ä'^Zuirrs 576. ,
Oouo. tolsb. X. Canon 7, das. 581.
2) lllaäsusis in seiner Chronik x. 59. Vergl. Lembke: Geschichte
von Spanien S. 103 ff. und Adolf Helfferich: Entstehung und Geschichte desWestgothenreiches. S. 185.