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Geschichte der Juden.
toletanischen Concils unter Sisenand (o. S. 62^), die streng genugwaren. Demnach durften die Juden im Lande bleiben, nur durftensie keine christlichen Sklaven besitzen, kein Amt bekleiden und auchnicht als Zeugen gegen Christen zugelassen Werdens. Es traf siealso im westgothischen Spanien dieselbe Entwürdigung, wie ein Jahr-hundert vorher im byzantischen Reiche (o. S. 18), daß ihrem Worteund ihrem Eide keine Glaubwürdigkeit beigemessen werden sollte. Abernoch viel härter war das Loos derer, welche während der Verfolgungzum Scheine das Christenthum angenommen hatten. Sie wurden ge-zwungen, im Schooße der Kirche,zu verbleiben und mußten neuerdingsdas Judenthum abschwören. Flucht war ihnen unmöglich; deny dieschwerste Strafe war über denjenigen verhängt, der sich dem Christen-thume entziehen, sich irgendwo verbergen oder gar das Land ver-lassen wollte. Selbst die Mitwisser und Beförderer einer Flucht solltender Strafe verfallen. Die Geschichte hat die Namen derer nicht auf-bewahrt, welche sich für ihre Religion geopfert haben. Diejenigenaber, welche den Schein fortsetzten und sich doch innerlich zum Juden-thum bekennen wollten, mußten neuerdings einen Abschwörungsschein(plaeitnm luäasoruw) ausstellen. Die Juden der Hauptstadt Toletum(Toledo) unterschrieben am 18. Februar 654 ihr Bekenntniß folgendenInhalts für den König Receswinth: Sie hätten zwar schon unter demKönig Chintila gelobt, im katholischen Glauben zu verharren, aberihr Unglauben und der angestammte Jrrthum von ihren Vorfahrenhätten sie gehindert, Christus als ihren Herrn anzuerkennen. Jetztaber versprächen sie freiwillig für sich, ihre Frauen und Kinder, daßsie sich nicht mehr mit den Riten und Bräuchen des Judenthums be-fassen wollten. Sie wollten nicht mehr mit ungetauften Juden ver-dammenswerthen Umgang pflegen, nicht mehr unter Verwandten(Bruder- und Schwesterkindern) heirathen, nicht mehr jüdische Frauenheimführen, nicht mehr jüdische Hochzeitsgebräuche beibehalten, nichtmehr Beschneidung üben, nicht Passah, Sabbat und andere jüdischeFeste feiern, nicht mehr die Speisegesetze des Judenthums beobachten,überhaupt nicht mehr das üben, was die Satzung der Juden unddie verabscheuungswürdige Gewohnheit vorschreiben. Sie wollten viel-mehr mit aufrichtiger Hingebung gemäß den Evangelien und der aposto-lischen Tradition glauben und bekennen und die Kirchenvorschriftenohne List und Schein beobachten. Nur das Eine sei ihnen unmöglich,Schweinefleisch zu genießen; sie könnten diesen Widerwillen nicht über-
*) OouciliuiL tolstauum VIII. xraolatto 12, 13 und oauou XII. beiä'X^uirrs, eollsotlo oouoilioruoi II. x. 540, 547.
'0 Vergl. Dissertation S. 25.