Druckschrift 
5 (1895) Geschichte der Juden vom Abschluß des Talmuds (500) bis zum Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027)
Entstehung
Seite
129
Einzelbild herunterladen
 

Die Juden in Spanien.

129

geschlossen hatte, kehrten sie unter seinem Nachfolger Chindaswindoffen zum Judenthume zurück. Denn dieser König war ein Feind derGeistlichen, welche die Macht der Krone zu Gunsten der Kirche be-schränken wollten und stets zu Empörungen bereit waren, wenn derFürst nicht in ihrem Sinne regierte. Chindaswind trieb diese in'sExil, und sie mußten da Zuflucht suchen, wohin sie die verfolgtenJuden getrieben hatten, in Afrika und Südgallien. Während dieservortreffliche König streng gegen die Anmaßenden war, zeigte er denJuden Milde. Trotz des beschlossenen kanonischen Gesetzes, daß jedergewählte König bei seiner Thronbesteigung einen feierlichen Eid ab-zulegen habe, weder Juden noch Ketzer in seinem Lande zu dulden,gestattete Chindaswind den verbannten Juden Rückkehr in ihr Vater-land, und sie wurden während seiner Regierung (642 52) weniggekränkt i). Nur mußten sie eine Art Judensteuer von jedem Kopfean den Staatsschatz leisten (Inckiotiones juäai'oao ^).

Sein ihm unähnlicher Sohn Receswinth schlug auch in Betreffder Juden ein entgegengesetztes Verfahren ein. Aus Fanatismus oderum sich bei der dem Throne feindlichen Geistlichkeit einzuschmeicheln,trug er selbst in der Kirchenversammlung, welche zugleich ein Parla-ment war, auf strenge Behandlung der Juden an, namentlich derer,welche früher zum Scheine Christen waren. In der Thronrede hieltReceswinth an die Mitglieder der Kirchenversammlung folgende An-sprache:Ich klage die Lebensweise und das Verhalten der Judenan, weil ich erfahren habe, daß das Land meiner Regierung durchihre Pest befleckt ist. Denn während der Allmächtige aus diesemReiche die Ketzereien von Grund aus vertilgt hat, ist diese Schmachder Kirchenschändung allein zurückgeblieben und soll durch unsereFrömmigkeit gebessert oder durch unsere Strenge vertilgt werden. Eshaben nämlich einige von ihnen ihren alten Unglauben beibehalten,Andere, obwohl durch das Bad der Taufe geläutert, sind so sehr inden Jrrthum des Abfalls zurückgesunken, daß an ihnen die Lästerungnoch abscheulicher erscheint als an denen, welche nicht durch die Taufegeläutert sind. Ich beschwöre euch daher, daß ihr ohne Vergünstigungund ohne Ansehen der Person einen, Gott und dem Glauben wohl-gefälligen, Beschluß gegen die Juden fassen wöget." Das toletanischeConcil (das achte) erließ indeß keine neuen Gesetze in Betreff derJuden, sondern bestätigte nur die kanonischen Beschlüsse des vierten

st Vergl. die Dissertation: Die ivestgothische Gesetzgebung in Betreff derJuden, im Programm des jüd. theol. Seminars 1858 S. 11 f.

st Das. S. 20.

Graetz, Geschichte der Juden. V.

9