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5 (1895) Geschichte der Juden vom Abschluß des Talmuds (500) bis zum Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027)
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Geschichte der Juden.

die palästinenschen Gemeinden mochten sich dem babylonischen Gaonatnicht unterordnen und noch weniger dem Exilsfürsten huldigen. InTiberias, das nach der Eroberung der Mohammedaner wieder Vorortder Gemeinden war, lebten noch Nachkommen jenes Mar-Sutra II.,welcher ein Jahrhundert vorher bei der Verfolgung unter dem kom-munistischen König Cavad als Kind dahin entführt worden war. DieseNachkommen erbten vom Vater auf Sohn den Vorsitz im Lehrhaufeund rühmten sich, die echten Sprößlinge des Königs David und dierechtmäßigen Exilarchen zu sein. Die Würdenträger in Babyloniengaben sie als Anmaßer und Eindringlinge aus. Es herrschte dahereine Spannung zwischen den Führern der Juden Palästinas unddenen Babyloniens, die so weit ging, daß die ersteren die Laut- undAccentzeichen, welche in Babylonien eingeführt worden waren, nichtannehmen mochten. Da sie aber nicht entbehrt werden konnten, sowurden sie hier geändert und gemodelt, um den Schein der Nach-ahmung zu vermeiden. Da das babylonisch-assyrische System dieVokalzeichen oberhalb der Consonanten angebracht hat, so setzten dieTiberienser die Vokalzeichen unterhalb der Buchstaben, führten andereZeichen für Abtheilungen der Bersglieder und für Anlautnng oderAuslautung der Silben ein und änderten auch theilweise die Figuren.So entstand ein anderes System, das eine Zeit lang als tiberien-sisches bezeichnet wurde, aber allmälich das babylonische so sehr ver-drängte und in Vergessenheit brachte, daß es allgemein als einzigesund ursprüngliches galt.

Die Juden Spaniens, denen eine so glänzende Rolle in derjüdischen Geschichte zugetheilt war, hatten keine Ahnung davon, daßder Umschwung im Osten durch den Eintritt des Islam in die welt-geschichtliche Bewegung auch eine Wendung ihres herben Geschickesherbeiführen würde, und daß sie trotz räumlicher Entfernung mit ihrenBrüdern im mohammedanischen Reiche in enge Verbindung kommenwürden. Gerade zur Zeit, als ihre Brüder in Irak einen hohenGrad von Freiheit und Selbstständigkeit erlangten, hatten sie denLeidenskelch bis zur Hefe leeren müssen. Ein Theil derselben warzum Auswandern, ein anderer Theil zur Annahme des Christenthumsgezwungen worden und mußte auf Befehl des Königs Chintila ineiner Schrift treues Festhalten am katholischen Bekenntniß undaufrichtiges Verwerfen des Judenthums geloben (o. S. 64).Nichtsdestoweniger hingen die zwangsweise getauften Juden im west-gothischen Spanien dem verpönten Judenthume mit ganzer Seele an.Der unabhängige westgothische Adel schützte sie zum Theil vor derStrenge des Königs, und sobald der fanatische Chintila die Augen