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5 (1895) Geschichte der Juden vom Abschluß des Talmuds (500) bis zum Aufblühen der jüdisch-spanischen Kultur (1027)
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Tie babylonisch-jüdischen Lehrhäuser 123

(LsIInb- sVersammlungs-j Monats. Während dieser Zeit beschäftigtensich die Mitglieder zwar auch theoretisch mit Erörterung und Er-läuterung eines früher schon als Thema aufgegebeneu Talmud-abschnittes. Aber die Hauptthätigkeit der Sitzung war PraktischenZwecken zugewendet. Nene Gesetze und Verordnungen wurden berathenund zum Beschlüsse gebracht, und Anfragen, die von auswärtigenGemeinden während des Semesters eingelaufen waren, wurden be-sprochen und gutachtlich beantwortet. Diese Veränderung in denFunktionen der Hochschule war durch die veränderten Zeitumständegeboten. In der Amoräerzeit, so lange der Talmud noch nicht ab-geschlossen, der Lehrstoff der Mischna mit den Zusätzen und Folge-rungen noch nicht Jedermann zugänglich war, nahm das Schulhauptauf die Jünger Rücksicht, indem es ihnen die Mischna erläuterte unddie daran sich knüpfenden Traditionen einprägte. Sobald aber derTalmud als ein umfassendes Oorpus juris abgeschlossen war, konnteman die lebendigen Träger und Ausleger halb und halb entbehren.Eigenes Studium trat an die Stelle lebendiger Mittheilung, und nurdunkle verwickelte Partieen bedurften der Erläuterung von Seiteneines Kundigeren. Aber dazu bedurfte es nicht gerade des Schul-hauptes, und darin bestand auch nicht seine Ueberlegenheit. Der Ab-schluß und die Verbreitung des Talmud hat daher das Band gelöst,welches früher Meister und Jünger umschlang, so lange jener nochQuelle der Ueberlieferungen war, und diese sich nur auf diesem WegeKunde verschaffen konnte. Jetzt aber war der Präsident des Lehr-hauses mehr für die Senatsmitglieder und für die Gesammtjudenheitals geistlicher Gesetzgeber und offizieller Vertreter des Judenthums,als für den Jüngerkreis vorhanden. Selbst bei den theoretischenDebatten über Talmndabschnitte nahm das Lehrhaus keine Rücksichtauf die Jünger. Sie hatten auch gar nicht in den BerathungssaalZutritt, sondern saßen in einem daranstoßenden Hofe (Darbira), wosie zuhörten oder auch nicht zuhörteu. Von diesem Umstande erhieltendie Jünger den SpottnamenHöfler" (Darblriai ^). Nur den Mit-gliedern des Collegiums wurde für das Semester bis zur Versammlungein bestimmtes talmudisches Thema zum gründlichen Studium auf-gegeben, die Talmudjünger dagegen waren nicht an das Thema ge-bunden und überhaupt auf Selbststudium angewiesen^).

*) Belehrend ist dafür die Stelle Nsirsolrod 82 b (nach der Lesart des^ruelr: Artikel Darbr^s.), wo Hs.Ils.Ir und Dsrbr^s. entgegengesetzt werden.Vergl. Tossafot dazu, datz die Stelle einer spätern Zeit angehört.

2) Nathan Babli das.